Augenarzt Dr. Christian Scheib mit einem seiner kleinen Patienten in Lateinamerika.

Augenarzt Dr. Christian Scheib im Gespräch über sein ehrenamtliches Engagement

Ehrenamtliche Helfer unterstützen die nph-Mitarbeiter vor Ort bei ihrer Arbeit. Der deutsche Augenarzt Doktor Christian Scheib ist einer von ihnen. Einmal im Jahr fährt er in ein nph-Kinderdorf nach Lateinamerika. Warum er dafür einen Teil seines Urlaubs opfert, wie er die Kinder erlebt und was er in der restlichen Zeit des Jahres für nph macht, erzählt er im Interview.

nph: Welche drei Wörter fallen Ihnen ein, wenn Sie an Ihre Einsätze in den Kinderdörfern von nph Kinderhilfe Lateinamerika denken?

Dr. Scheib: Liebe, Fröhlichkeit und Glück. Auch wenn das für einige pathetisch klingen mag, diese drei Wörter beschreiben genau mein Empfinden.

nph: Sie engagieren sich seit 2011 für nph. Warum haben Sie diese Hilfsorganisation gewählt?

Dr. Scheib: Armando Arteaga, Aufsichtsratsmitglied bei nph, ist mein Patient. Er wusste, dass ich mich ehrenamtlich für Kinder in Entwicklungsländern einsetze. Eines Tages fragte er, ob ich mich nicht auch um die nph-Schützlinge kümmern könnte. Ich erkundigte mich über die Arbeit der Hilfsorganisation und sie überzeugte mich. Anschließend besprach ich das Projekt mit meiner Frau und seitdem arbeite ich mit viel Freude für nph.

nph: Sie nehmen Ihren Urlaub, um armen Kindern weit weg von Deutschland zu helfen. Warum?

Dr. Scheib: Ich komme mit reichen Eindrücken und einer Vielzahl positiver Emotionen zurück. Das trägt mich noch ganz lange durch den Alltag. Ich übe einen tollen Beruf aus und kann ganz leicht den Menschen helfen. Also mache ich es.

Augenarzt Dr. Christian Scheib spielt mit Kindern im nph-Kinderdorf.

nph: Die Länder in Lateinamerika wirken auf viele Menschen in Europa sehr fremd und gefährlich. Wie empfinden Sie das auf Ihren Einsätzen?

Dr. Scheib: Um mit den Kindern besser kommunizieren zu können, habe ich Spanisch gelernt. Jetzt kann ich auch mit den Erwachsenen vor Ort reden und dann entsteht schon ein Eindruck der Bedrohung. Sie ist Teil des alltäglichen Lebens für die Menschen in den von mir besuchten Ländern. Ich für mich hatte noch keine brenzlige Situation. Ein Gefühl der Unsicherheit bleibt aber.

nph: Nach welchen Kriterien suchen Sie die Projektländer aus?

Dr. Scheib: Ich fahre in die Länder, in denen ich noch nicht war. Während des Einsatzes sehe ich mir jedes Kind im Kinderdorf an.

nph: Fahren Sie allein in die Projektländer?

Dr. Scheib: In der Regel nehme ich eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter aus der Klinik in Karlsruhe mit. So bedanke ich mich bei meinen Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit. Uns begleiten lediglich große Aluminium-Expeditionskisten, in denen alles drin ist, was wir für die frühkindliche Diagnostik benötigen. Medikamente nehmen wir nicht mit, die kaufen wir gegebenenfalls vor Ort. Sie würden nur Probleme beim Zoll machen.

Augenarzt Dr. Christian Scheib bei der Behandlung im nph Kinderdorf in Lateinamerika.

nph: Welche Erkrankungen treten bei den Kindern auf?

Dr. Scheib: Bei den Untersuchungen geht es um frühkindliche Augenheil-Diagnostik. Das ist die Hauptzielsetzung. Es gibt Erkrankungen des Auges, die früh therapiert nicht zu bleibenden Sehschäden führen. Werden die Augen nicht entsprechend medizinisch versorgt, bleibt sonst eine Schwachsichtigkeit zurück. Kinder mit diesen Erkrankungen werden im Alltag nicht auffällig. Sie entwickeln Strategien, um mit den Sehfehlern zurechtzukommen. Ihre Umwelt bekommt von ihrer Sehschwäche in der Regel nichts mit. Ohne entsprechende medizinische Untersuchung fallen diese Kinder durchs Raster.

nph: In Honduras werden auf der Krankenstation im Kinderdorf auch Menschen aus den umliegenden Dörfern behandelt. Sie haben während Ihrer Zeit dort ebenfalls Untersuchungen durchgeführt.

Dr. Scheib: Diese Möglichkeit der medizinischen Mitversorgung ist für die Bevölkerung sehr gut. Als ich da war, kam aus einem der Dörfer ein kleiner Junge, Miguel, mit seiner Mutter. Sie führte ihren Sohn vorsichtig in das Behandlungszimmer. Er war vollkommen hilflos. Um seine Sehkraft zu testen, nahm ich einen Lutscher und fragte den Jungen, ob er ihn möchte. Miguel kam zögerlich mit der Hand näher. Ich merkte sofort, dass er wenig sah. Wir untersuchten ihn und stellten fest, dass der Junge einen kindlichen grauen Star hatte. Miguel war fast blind.

Wir haben ihn sofort operiert und vier Wochen später konnte Miguel gezielt nach Stiften greifen. Der Junge geht heute ganz normal in die Schule. Das hat mir gezeigt, wie wahr der Spruch von nph ist: Du magst nur eine Person in der großen Welt sein, doch du kannst die ganze Welt für ein Kind bedeuten.

Alle Patienten, die Augenazt Dr. Christian Scheib im nph Kinderdorf in Nicaragua behandelt hat.

nph: Während Ihres Aufenthaltes leben Sie im Kinderdorf. Wie nehmen Sie das Miteinander dort wahr?

Dr. Scheib: Ganz unterschiedlich. In Honduras waren die Kinder sehr offen und zugewandt. Ich kam sehr einfach mit ihnen ins Gespräch. Es war ganz wunderbar. In Mexiko waren die Kinder zurückhaltender, aber da konnte ich auch noch kein Spanisch.

nph: Ihr Engagement betrifft nicht nur die medizinischen Einsätze in den nph-Kinderdörfern. Sie engagieren sich auch in Karlsruhe für die Hilfsorganisation. Warum?

Dr. Scheib: Für mich ist es wichtig, dass die wertvolle Arbeit in den nph-Kinderdörfern weitergeht und dafür ist Geld nötig. Wenn ich durch mein Engagement, das überwiegend anerkennend wahrgenommen wird, dabei helfen kann, freut es mich. Neben den Reisen nach Lateinamerika, um vor Ort die Kinder zu behandeln, sammle ich deshalb Spenden. Unter anderem gibt es Benefizkonzerte in Karlsruhe unter dem Motto „Belcanto por los niños“.

Augenarzt Dr. Christian Scheib hat die Behandlung erfolgreich abgeschlossen.

nph: Haben Sie neue Projekte im Visier?

Dr. Scheib: Im Oktober fahre ich in die Dominikanische Republik. Dort wird wieder jeder Bewohner des Kinderdorfes untersucht und gegebenenfalls ein Therapieplan erstellt. Jedes Kind hat bei nph eine Krankenakte, die durch unseren augenärztlichen Bericht ergänzt wird. Somit wissen die behandelnden Ärzte genau, welche Erkrankungen ein Kind hatte beziehungsweise hat und können entsprechend die kleinen Patienten behandeln.

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