Flüchtlingswelle in Lateinamerika

Flüchtlingswelle in Lateinamerika – nph Kinderhilfe bekämpft die Ursachen

Gewalt und Korruption herrschen in Zentralamerika. Sie bilden die Gestaltungsmacht und lassen die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklaffen.

In der honduranischen Zeitung „Heraldo“ vom 23.Oktober wird berichtet, dass hunderte Babys, Kleinkinder und Kinder mit der Karawane von sieben  Tausend Honduranern nach Mexiko ziehen. Sie fliehen vor der Gewalt und Armut in ihrem Land. Sie sind schon zehn Tage unterwegs. Humanitäre Organisationen schätzen den Anteil von Babys, Kleinkindern und Kindern auf ein Viertel (25%) der Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben. Zudem sind viele schwangere Frauen unterwegs mit der Karawane. Viele der Mütter sind nicht älter als 20 Jahre und alle fliehen vor der Gewalt der Banden in Honduras. Sie wollen verhindern, dass die Banden ihre Kinder rekrutieren, töten oder ihre Töchter vergewaltigen, wie es einige von ihnen am eigenen Leib erfahren mussten. Jennifer, eine junge Mutter von 23 Jahren mit zwei Kindern im Alter von 3 und 5 Jahren berichtet: „Ich weiß, dass es gefährlich ist. Ich weiß, dass sie mir meine Kinder stehlen können, aber wir haben keine andere Wahl. Meinen Mann wollten die Bandenmitglieder zwingen Drogen zu transportieren und weil er nicht zugestimmt hat, haben sie gedroht uns alle umzubringen.“

Unvorstellbare Szenen

Vor ein paar Monaten besuchte unser Mitarbeiter Markus Streit, pädagogischer Mitarbeiter bei NPH International, zusammen mit der Direktorin einer salvadorianischen NGO einen Stadtteil in Santa Ana, der zu den ärmsten zählt. Auf dem Marktplatz waren vor wenigen Tagen illegale Einwanderinnen, die aus den USA zurückgeschickt worden waren, angekommen. Sie wurden direkt verhaftet, da sie sich des illegalen Grenzübertrittes strafbar gemacht hatten. Auf dem Marktplatz blieben über zwanzig Kinder ohne Eltern, ohne jegliche Betreuung zurück. Die Mitarbeiterinnen eines Straßenkinderprojektes am Marktplatz ergriffen die Initiative und organisierten vorübergehende Pflegefamilien und unterstützten diese bei der Versorgung der Kinder. Am schwierigsten war die Versorgung eines Säuglings, der noch von seiner Mutter voll gestillt wurde. „Das sind unbeschreibliche Szenen, die wir hier erleben und sofern es uns möglich ist, versuchen wir dafür Sorge zu tragen, Kindern kurzfristig ein Zuhause zu geben, um sie zu schützen“, so Markus Streit.

NPH kooperiert mit Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR)

Ein wichtiges Beispiel dafür, wie NPH seine Werte in die Praxis umsetzt, um den umliegenden Gemeinden zu  helfen, ist das Übergangswohnheim in der Provinz Catacamas in Honduras „Casa Mi Esperanza“ („Haus Meine Hoffnung“). In Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) konzentriert sich das Haus auf Kurzzeitpflege, indem es Kindern einen liebevollen Ort zum Übergang aus der Gefahr bietet, während Fachleute darauf hinarbeiten, das Kind in eine langfristige stabile Umgebung zu versetzen - in ein gesundes Zuhause.

Seit der Eröffnung am 18. Juli 2017 haben rund 75 Kinder eine individuelle Betreuung erhalten und rund 60% von ihnen wurden durch ein Reintegrationsprogramm wieder mit ihren Familien zusammengeführt. Einige haben im Kinderdorf von NPH ein Zuhause gefunden.

NPH lässt die Familien und Kinder nicht im Stich

Die Philosophie von NPH besteht darin, unermüdlich durch Programme  dafür zu sorgen, dass Kinder in ihren eigenen Ländern aufwachsen und eine Ausbildung absolvieren können. Dazu wurden Voraussetzungen in Form von Kinderdörfern u. a. in Guatemala, El Salvador, Honduras, Mexiko geschaffen, Schulen errichtet und die Gesundheitsfürsorge sichergestellt, so dass die Kinder in ihren Heimatländern bleiben können.

Die internationale NGO, die ausschließlich in Lateinamerika tätig ist und dort in Bolivien, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Haiti, Mexiko,  Nicaragua und Peru Kinderdörfer und Einrichtungen  betreibt,  unterstützt die Familien, damit sie eine Zukunft im eigenen Land für ihre Kinder aufbauen.

Über nph Kinderhilfe Lateinamerika e. V.

„nph (nuestros pequeños hermanos – unsere kleinen Brüder und Schwestern) wurde im Jahr 1954 von dem katholischen Priester Padre William Wasson in Mexiko gegründet. Als internationales, christliches Kinderhilfswerk stellen wir seitdem das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt unserer Arbeit – in unseren Kinderdörfern und in den Familien der Kinder. Geleitet von christlichen Werten fördern und stärken wir schutzbedürftige Mädchen und Jungen in neun Ländern Lateinamerikas. Wir sorgen dafür, dass sie in einem liebevollen Umfeld gesund  aufwachsen, sich umfassend bilden und Halt im Glauben finden. Neben der direkten Förderung des Kindes tragen wir zur Entwicklung seiner Gemeinschaft bei und leisten Hilfe in Krisensituationen. Die nph Kinderhilfe Lateinamerika  e.V.  (ehemals nph deutschland e.V. – Unsere kleinen Brüder und Schwestern) mit Sitz in Karlsruhe wurde im Jahre 1985 als deutscher Teil der großen nph-Familie gegründet und beschäftigt derzeit 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“