Haitis Hauptstadt versinkt in einer Spirale der Gewalt.

Haitis Hauptstadt versinkt in einer Spirale der Gewalt

Ein nph-Mitarbeiter schildert die Lage in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und was nph alles versucht, um für die Menschen da zu sein.

Ich steige um 14 Uhr in einen Krankenwagen. Weitere Mitarbeiter des nph-Krankenhauses St. Damien fahren mit. Wir wollen sie in ihren Vierteln absetzen. Der Krankenwagen ist das einzige Verkehrsmittel, das von allen Demonstranten respektiert wird. Auf dem Rückweg werden wir andere Mitarbeiter und Verletzte einsammeln.

Das nph-Krankenhaus St. Damien in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince.

Die Situation ist chaotisch. Es dauert nicht lange, bis wir die erste Straßensperre erreichen. Langsam fahren wir rein. Alle halten den Atem an - doch wir werden ohne Probleme durchgelassen. Auf dem Weg zur nächsten Barrikade rennt uns eine Gruppe von etwa 250 Menschen entgegen. Sie geben uns Zeichen, es nicht weiter zu versuchen. Doch hinter der Sperrung müssen wir einen Teil des Personals absetzen, damit sie zu Fuß in den kleinen Gassen verschwinden können.

Tränengas, Steine und Schüsse

Der Fahrer fährt langsam weiter, kurbelt die Scheibe herunter und spricht mit den Demonstranten. Sie erzählen, dass eine Auseinandersetzung zwischen der Polizei und Plünderern eskaliert ist. Die Polizei setzte Tränengas ein, es flogen Steine und Schüsse fielen. Von welcher Seite, weiß niemand. Dann sehen auch wir die Absperrungen, die brennenden Reifen und eine kleine Polizeieinheit, die versucht, das Schlimmste zu verhindern. Auch die Polizisten sind vom Dauereinsatz müde und sie sind deutlich in der Unterzahl. Schließlich schaffen wir es, alle Mitarbeiter heil abzusetzen und neue wieder einzusammeln.

Die Menschen warten auf Wasserlieferungen. Selbst jetzt versuchen die Mitarbeiter Transporte zu organisieren.

Explosive Stimmung auf der Straße

Aber nicht alle Wagen haben so viel Glück. Ein anderer erreichte eine Barrikade, als die Polizei gerade einen Steinewerfer erschossen hatte. Die wütende Menge wollte, dass der Krankenwagen die Leiche mitnimmt. Der Wagen war aber voll mit Personal, außerdem muss der Fall erst rechtlich untersucht werden.

Die Stimmung unter den Menschen explodierte. Sie nahmen den Krankenwagen als Geisel, bis schließlich Demonstranten einen Schriftzug vom nph-Krankenhaus erkannten und die Mitarbeiter im Wagen verteidigten.

Als der Wagen endlich weiterfahren konnte, flogen Steine. Die hintere Scheibe zersplitterte, eine Mitarbeiterin wurde schwer verletzt. Nun zählte jede Sekunde, denn jede neue Reaktion konnte erneut das Leben aller Mitfahrenden in Gefahr bringen. Über Funk manövrierte man den geschockten Fahrer aus dem Gefahrenbereich, um die Schwerverletzte ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Mary bei der Arbeit im St. Damien-Krankenhaus.

Ein Gefühl von Familie

Es hatte Mary, die Köchin getroffen. Sie kocht nicht nur für das Personal, sondern auch für die Kinder auf den Stationen. Ihr Können und ihre Liebe zu den Kindern sind von unschätzbarem Wert. Viele Eltern der kleinen Patienten sind so arm, dass sie kein Essen für ihre Kinder ins Krankenhaus bringen können. Im Laufe des Abends holte ein Krankenwagen die Schwerverletzte ab, um sie an einen sicheren Ort zu bringen, dem St.-Luc-Krankenhaus in Tabarre.

Der Fahrer des getroffenen Krankenwagens wurde angewiesen, ein paar Tage frei zu nehmen. Doch am nächsten Tag steht er morgens vor dem Krankenhaustor und sagt: "Es ist nicht die Zeit, um sich zurückzuziehen. Wir ziehen es gemeinsam durch."

In solchen Momenten spüre ich ganz stark, dass wir nicht nur ein Mitarbeiter-Team sind, sondern eine Familie, die nph-Familie.

18.02.2019

Die Proteste in Haiti eskalieren

Die anhaltenden Demonstrationen gegen Misswirtschaft und Korruption wirken sich auch auf die Versorgungslage im nph-Kinderdorf in Kenscoff und dem St. Damien-Kinderkrankenhaus aus.

Bohnen für tägliches Essen

20.00 €
Die Versorgungslage in Haiti wird durch die Unruhen immer schwieriger. Bohnen gehören zur Grundversorgung.

Lieferung von sauberem Trinkwasser

50.00 €
Sauberes Trinkwasser schützt vor Krankheiten wie z.B. Cholera. Der Zugang zu Wasser ist wegen der Unruhen derzeit sehr schwierig.