Dramatische Entwicklungen in Haiti

Seit Jahrzehnten engagiert sich nph mit verschiedenen Einrichtungen und Hilfsprogrammen in Haiti. Die politische und gesellschaftliche Situation war nie einfach – aktuell nimmt die Lage für die Menschen und Helfer in Haiti jedoch eine dramatische Wendung.

Bereits seit einigen Monaten ist die enorme Inflation ein großes Problem für die Bevölkerung in Haiti. Die Preise für Lebensmittel, Medizin und Benzin sind stark angestiegen. So sind innerhalb eines Jahres beispielsweise die Preise für verschiedene Hauptnahrungsmittel um bis zu 49 Prozent gestiegen. Diese finanziellen Mehrkosten kann die Bevölkerung mit ihrem ohnehin niedrigen Einkommen nicht ausgleichen. Die bereits unzureichenden Lebensbedingungen haben sich dadurch weiterhin stark verschlechtert. Gewalt, Ausschreitungen und Straßensperrungen sind mittlerweile alltäglich, da die Bevölkerung sich gegen die Politik zu wehren versucht. Hiervon sind nun auch die Helfer und Einrichtungen von nph betroffen.

 

Weitere Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung

Durch immer weitere Schließungen der staatlichen Krankenhäuser oder einzelnen Abteilungen hiervon, ist der Andrang auf das nph-Krankenhaus St. Damien deutlich gestiegen. Die Helfer vor Ort müssen jedoch nicht nur versuchen, den erhöhten Bedarf an medizinischer Betreuung zu kompensieren, sondern haben selbst konkrete Probleme durch die Ausschreitungen. Ob Mehrkosten durch die Inflation, ein Mangel an Medikamenten und medizinischem Material, Benzinknappheit oder eine unzureichende Lebensmittelversorgung – die Gesamtsituation ist sehr angespannt. Das medizinische Personal hat darüber hinaus große Schwierigkeiten, zur Arbeit zu kommen, da die Straßenblockaden derzeit lediglich mit Rettungsfahrzeugen passiert werden können. Sämtliche Erledigungen sowie Transporte der nph-Mitarbeiter müssen daher mit den zwei vorhandenen nph-Rettungsfahrzeugen absolviert werden.

Schlechte Versorgung durch Unruhen in Haiti

Durch die gewaltätigen Unruhen und steigenden Preise wird die Versorgungslage der Bevölkerung immer schwieriger.

Angriff auf die Mitarbeiter von nph

Vor wenigen Tagen wurde das Team von nph angegriffen, nachdem es verstorbenen Menschen die letzte Ehre im Rahmen einer Beisetzung erwies. Einige gewaltsame Gruppierungen hörten einen Radiobeitrag mit Falschinformationen, der dazu führte, dass sich der Hass erstmals gegen die nph-Mitarbeiter entlud und innerhalb kürzester Zeit ausartete: Das Team wurde mit Steinen beworfen, bedroht, und ein nph-Fahrzeug wurde vollständig abgebrannt. Die mediale Darstellung wurde zwar nachträglich korrigiert – und die Bevölkerung darüber aufgeklärt, dass nph keine politischen Verbindungen hat und es sich bei den Toten, die das Team würdig bestattete, ausschließlich um arme Menschen handelte. Doch zu diesem Zeitpunkt der Klarstellung war das nph-Team um Pater Richard bereits attackiert worden. Unter Einsatz ihres Lebens konnten sich schließlich alle Mitarbeiter mit Hilfe von anderen Gruppierungen retten.

Ein Transport-LKW von nph Haiti wurde angegriffen und abgebrannt.

Ein Transport-LKW von nph Haiti wurde angegriffen und abgebrannt. Die Mitarbeiter von nph konnten sich gerade noch retten.

Stillstand des öffentlichen Lebens

Insgesamt steht das öffentliche Leben nahezu still. Lebensmittel und Benzin sind nicht nur überteuert, sondern kaum noch zu beschaffen – und die Banken sind tagelang geschlossen. Die Vorräte in den Kinderdörfern sowie im Krankenhaus werden deutlich weniger und reichen lediglich noch für einige Tage. Die Bevölkerung und Helfer von nph sind daher dringend auf Unterstützung angewiesen – zumal bisher kaum medial über die aktuellen Zustände in Haiti berichtet wurde.