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Nph Haiti 2025 Hospital 86 (1)

Pandemische Ausbrüche in Haiti

Haiti gehört zu den Ländern mit einem erhöhten Risiko für den Ausbruch von Infektionskrankheiten.

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Warum sind Infektionskrankheiten in Haiti besonders relevant?

Mehrere strukturelle Herausforderungen verstärken das Risiko für Krankheitsausbrüche in Haiti und erschweren ihre Eindämmung deutlich.

Besonders problematisch ist die Kombination aus schwacher Gesundheitsversorgung und instabilen Lebensbedingungen. Viele Regionen verfügen nur über eingeschränkten Zugang zu medizinischer Infrastruktur, wodurch Krankheiten oft spät erkannt und behandelt werden. Hinzu kommen niedrige Impfquoten, die die Verbreitung vermeidbarer Infektionskrankheiten begünstigen. In Verbindung mit Armut und beengten Wohnverhältnissen entsteht ein Umfeld, in dem sich Erreger schnell ausbreiten können.

 

Auch die unzureichende Wasser- und Sanitärversorgung spielt eine zentrale Rolle, insbesondere bei wasserbedingten Erkrankungen wie Cholera. Politische Instabilität und Naturkatastrophen verschärfen diese Situation zusätzlich, da sie regelmäßig bestehende Versorgungsstrukturen beeinträchtigen.

 

 

 

Die folgenden Inhalte veranschaulichen zentrale strukturelle Rahmenbedingungen in Haiti.

Eingeschränkte Gesundheitsversorgung

Zugang zu medizinischer Versorgung ist in vielen Regionen Haitis nur begrenzt gewährleistet.

Niedrige Impfquoten

Die Durchimpfungsraten liegen unter dem notwendigen Niveau für einen wirksamen Bevölkerungsschutz.

Unzureichende Infrastruktur

Mangelnde Wasser- und Sanitärversorgung begünstigt die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

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Nph Haiti 2018 Miscellaneous 78

Eingeschränkte medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung in Haiti ist in vielen Regionen nur begrenzt verfügbar. Gesundheitszentren sind oft unzureichend ausgestattet und erreichen nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen. Dadurch kommt es häufig zu Verzögerungen bei Diagnosen und Behandlungen. Besonders in ländlichen Gebieten ist der Zugang zu ärztlicher Hilfe stark eingeschränkt. Dies erschwert die frühzeitige Eindämmung von Infektionskrankheiten erheblich.

Nph Haiti 2016 Children 2

Unzureichende Wasser- und Sanitärversorgung

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und funktionierenden Sanitäranlagen ist in vielen Teilen des Landes nicht flächendeckend gewährleistet. Dadurch steigt das Risiko für wasserbedingte Infektionen deutlich an. In dicht besiedelten Gebieten fehlt häufig eine ausreichende Abwasserentsorgung. Dies begünstigt die Ausbreitung von Krankheitserregern im Alltag. Besonders bei Ausbrüchen kann dies zu einer schnellen Verschärfung der Lage führen.

Nph Haiti 2024 Crisis 2

Armut und dichte Wohnverhältnisse

Armut und beengte Wohnverhältnisse prägen große Teile der Lebensrealität in Haiti. Viele Haushalte verfügen nur über begrenzten Raum und unzureichende hygienische Bedingungen. In solchen Umgebungen können sich Infektionskrankheiten besonders schnell verbreiten. Gleichzeitig erschweren wirtschaftliche Einschränkungen den Zugang zu medizinischer Versorgung. Diese Faktoren verstärken sich gegenseitig und erhöhen das allgemeine Gesundheitsrisiko.

Familie auf der Flucht

Instabile Rahmenbedingungen

Politische Instabilität und wiederkehrende Naturkatastrophen belasten die Infrastruktur des Landes zusätzlich. Gesundheitseinrichtungen und Versorgungswege werden dadurch regelmäßig beeinträchtigt. Dies führt dazu, dass bestehende Systeme oft nur eingeschränkt funktionsfähig bleiben. In Krisensituationen verschärft sich die Versorgungslage meist innerhalb kurzer Zeit. Dadurch entstehen besonders anfällige Bedingungen für Krankheitsausbrüche.

Welche Infektionskrankheiten gibt es in Haiti?

Infektionskrankheiten stellen in Haiti ein wichtiges Gesundheitsrisiko dar und treten in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Die folgenden Erkrankungen gehören zu den relevantesten.

Diphterie

Diphtherie ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit, die durch engen Kontakt und Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie befällt vor allem die oberen Atemwege und kann zu schweren Atemproblemen bis hin zum Tod führen.


Die Sterblichkeitsrate selbst bei Behandlung liegt bei etwa 5–10 %. Ohne rechtzeitige medizinische Versorgung kann sie jedoch auf bis zu 40 % ansteigen (Diphtheria-Guinea).  Kleine Kinder tragen ein erhöhtes Risiko. Die Behandlung erfolgt durch die Gabe eines Antitoxins sowie von Antibiotika. Durch Impfungen konnten Erkrankungs- und Todeszahlen weltweit deutlich reduziert werden.


Diphtherie gilt in Haiti weiterhin als endemisch (dauerhaft vorhanden). 2024 startete eine große Impfkampagne mit über 230.000 Kindern (With Canadian support, Haiti launches successful “catch-up” diphtheria vaccination campaign - PAHO/WHO | Pan American Health Organization). Die Krankheit ist zwar nicht unter Kontrolle, wird aber aktiv bekämpft.

Cholera

Cholera ist eine durch Bakterien verursachte Durchfallerkrankung. Die Übertragung findet über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel statt. Die Krankheit führt schnell zu schwerer Dehydrierung.

 

Haiti erlebte nach dem Erdbeben 2010 einen massiven Ausbruch von Cholera mit Hunderttausenden Erkrankten. Laut der World Health Organization wurden seit 2010 über 820.000 Fälle und fast 10.000 Todesfälle registriert (Cholera- Haiti). Nach einer zwischenzeitlichen Eindämmung kam es 2022 erneut zu einem Ausbruch. Es gibt kaum eine Gemeinde, die nicht davon betroffen ist.

 

Besonders gefährdet sind Kinder: Nach Angaben von UNICEF haben mangelernährte Kinder ein deutlich erhöhtes Risiko, an Cholera zu sterben. Die schwierige humanitäre Lage und eingeschränkter Zugang zu sauberem Wasser begünstigen weiterhin die Ausbreitung der Krankheit.

Masern

Masern sind eine hochansteckende Virusinfektion, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Typische Symptome sind Fieber, Husten und Hautausschlag. Die Krankheit kann zu schweren Komplikationen wie Lungenentzündung oder Gehirnentzündung führen und ist besonders gefährlich für ungeimpfte Kinder.


Laut aktuellen WHO- und Weltbankdaten sind nur etwa 77 % der Kinder in Haiti gegen Masern geimpft (Stand 2024, WHO Immunization Data portal). Für einen sicheren Schutz der Bevölkerung wären jedoch mindestens 95 % notwendig. Dadurch bestehen erhebliche Impflücken, die das Risiko für Ausbrüche deutlich erhöhen. Gleichzeitig warnt die WHO, dass die Zahl der Masernfälle in der Region der Amerikas 2025 stark gestiegen ist und zeigt dadurch, wie schnell sich das Virus in unzureichend geschützten Bevölkerungen ausbreiten kann.

Polio

Polio ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Kinder betrifft und meist über verunreinigtes Wasser übertragen wird. In seltenen Fällen kann sie zu dauerhaften Lähmungen führen, die tödlich enden können.


Haiti gilt derzeit als poliofrei, ist jedoch weiterhin gefährdet. Laut der Pan American Health Organization ist die Impfquote in Haiti in den letzten Jahren durch politische Instabilität und Gewalt zurückgegangen, was die Immunisierungslücken vergrößert hat. Dadurch steigt das Risiko, dass Polio oder andere impfpräventable Krankheiten wieder auftreten (PAHO sends critical medicines and health emergency supplies to Haiti amid ongoing humanitarian crisis - PAHO/WHO | Pan American Health Organization). 

Die aktuelle Impfsituation in Haiti

Trotz einzelner Fortschritte bestehen in Haiti weiterhin erhebliche Lücken in der Impfversorgung. Dies wirkt sich direkt auf die Verbreitung vermeidbarer Infektionskrankheiten im Land aus.

Die Impfsituation in Haiti bleibt eine zentrale Herausforderung im Umgang mit Infektionskrankheiten. Ein Teil der Bevölkerung ist nicht vollständig immunisiert, was die Ausbreitung vermeidbarer Krankheiten begünstigt.

 

Auffällig ist insbesondere, dass viele Impfserien bei der DTP3-Impfung (Diphtherie, Tetanus, Pertussis) nicht vollständig abgeschlossen werden. Dies deutet auf strukturelle Probleme im Gesundheitssystem hin, etwa beim Zugang zu medizinischen Angeboten oder bei der kontinuierlichen Versorgung. Auch bei anderen wichtigen Impfungen, etwa gegen Masern, werden die empfohlenen Durchimpfungsraten nicht erreicht.

 

Besonders kritisch ist die Situation von Kindern, die keinerlei Basisimpfungen erhalten. Sie sind einem deutlich erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe ausgesetzt. In den letzten Jahren zeigen sich zwar erste Verbesserungen, doch bleibt die Versorgung insgesamt fragil. Politische Instabilität, Krisen und infrastrukturelle Defizite erschweren weiterhin den Zugang zu Impfangeboten und führen zu erheblichen Impflücken.

DTP3-Impfung

75–78 % Impfquote in Haiti (2023/24, (The Gavi Group: Working Toward Immunization in Haiti - The Borgen Project)
→ unter dem globalen Durchschnitt von 85 %% (Vaccination and Immunization Statistics - UNICEF DATA)

Basisimpfungen

Ca. 64.000 Kinder ohne jegliche Grundimmunisierung („Zero-dose“-Kinder) (The Gavi Group: Working Toward Immunization in Haiti - The Borgen Project)

Entwicklung

Impfquote stieg 2022–2023 um rund 10 % → erste Erholung nach Rückgängen während COVID-19 (Haiti: rising vaccination rates despite socio-political unrest)

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Nph Haiti 2023 Hospital 107

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