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Ein Zuhause auf Zeit

Seit drei Jahren kümmert sich das Team des Kinderschutzhauses von nph in der Dominikanischen Republik um Kinder, die nicht bei ihren Eltern bleiben können. Oder die ohne Papiere allein unterwegs sind.

Ein großes Herz für Kinder in Krisensituationen – das haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderschutzhauses Niños de Dios von nph in der Dominikanischen Republik. Das Haus eröffnete offiziell im Dezember 2017, aber schon im Oktober nahm das Team die ersten Fälle schutzbedürftiger Kinder dort auf. Das bedeutet: In diesen Tagen feiert das Team von Niños de Dios dreijähriges Bestehen.

Kinderschutzhaus

Das Kinderschutzhäuser - richtiger die Häuser - sind von weiträumigen Grünanlagen umgeben. Für die Kinder ein perfekter Ort zum Spielen. Hier können sie ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten.

Und der Bedarf ist riesig; er liegt oft über den 18 dort zur Verfügung stehenden Plätzen. Niños de Dios ist eine Unterkunft für Kinder in Notsituationen, wo sie schnell Hilfe bekommen, beispielsweise, wenn die Gewalt in der Familie zu groß wird, Drogen oder Krankheit sich zu akuten Notsituationen zuspitzen. Dann greift das gut etablierte Zusammenspiel zwischen nph in der Dominikanischen Republik und der örtlichen Kinder- und Jugendbehörde CONANI, auf deren Wunsch und Anregung das Haus erst entstanden war.

Gewalttätige Eltern gefährden Kinder

Die Betreuer – tíos genannt – sind Vorbilder für die Kinder, die oft mit Gewalterfahrungen ins Schutzhaus kommen.

Die Betreuer – tíos genannt – sind Vorbilder für die Kinder, die oft mit Gewalterfahrungen ins Schutzhaus kommen.

Doch was sind das für Situationen, in denen Kinder von ihren Verwandten getrennt werden müssen? Wenn Vater und Mutter eine Gefahr sind? – Da gab es zum Beispiel sechs Brüder, im Alter zwischen drei und zwölf Jahren, die ins Haus Niños de Dios gekommen waren, weil der gewalttätige Vater die Familie tyrannisierte. „Es gibt ein großes Problem mit häuslicher Gewalt hier in der Dominikanischen Republik – nicht nur durch die Väter, auch die Mütter üben Gewalt aus“, erläutert Kirsten (Kiki) Henschel-Rolla, die als Projektkoordinatorin für nph in der Dominikanischen Republik lebt.

Nachdem der Vater einige Wochen später festgenommen worden war, konnten die Brüder aus dem Kinderschutzhaus wieder zu ihrer Mutter zurückkehren. Es gibt noch Kontakt; die Mutter sagt, dass es ihren Söhnen gut geht und dass sie zur Schule gehen. „Unser Ziel ist es, Geschwister auch in Krisensituationen nicht zu trennen“, sagt Christian Cruz, der das Haus leitet.

Jeder kommt mit seiner eigenen Geschichte

Christian Cruz ist froh, dass die sechs Jungs wieder zuhause sind. Denn nicht immer läuft alles nach Plan. Gleich zu Anfang, als das Haus eröffnete, kam eine ganze Familie, der das Team schlicht keine Hilfe verwehren konnte: eine Mutter mit Krebs im Endstadium mit fünf Kindern. Sie blieb bis zu ihrem Tod im Kinderschutzhaus, wo sie beruhigt sterben konnte, wie sie sagte. Denn sie wusste, dass ihre Kinder bei nph gut aufgehoben sein würden. Die fünf leben heute im nph-Kinderdorf San Pedro.

Normalität leben: Schule, Fußball, Hausarbeit

Morgens um 7.30 Uhr: Die Kinder im blauen Hemd machen sich bereit für den Schulbesuch. Als 2. von rechts steht der Leiter Christian Cruz, links einige der Betreuerinnen.

In der Zeit, die die Kinder im nph-Schutzhaus verbringen, besuchen sie die Schule der nahegelegenen Stadt Monte Plata. Stand heute, im Herbst 2020 soll es allerdings aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen im laufenden Schuljahr keinen Präsenzunterricht in der Schule geben.

Darüber hinaus erhalten die Kinder – oft dringend benötigte – medizinische Behandlung und bei Bedarf bringt das nph-Team die Kinder auch in die Hauptstadt Santo Domingo zum Arzt. Das Leben ähnelt dem in einem normalen nph-Kinderdorf: Zusätzlich zum Schulbesuch gibt es regelmäßiges Fußballspielen. Zudem übernehmen die Kinder einfache Aufgaben im Haushalt oder im Garten. Manchmal können die Kids auch an Veranstaltungen des Kinderdorfs in San Pedro teilnehmen.

Ein tatkräftiges Team mit viel Erfahrung

guteseele

Eine gute Seele: Betreuerin Melida (2. von links) ist mittlerweile im Ruhestand. Rechts steht Betreuerin Yolanda, ein ehemaliges nph-Kind aus San Pedro.

Der große Unterschied: Die Kinder bleiben in der Regel nur kurz im Schutzhaus. Die Mitarbeiter von CONANI entscheiden normalerweise zügig, ob ein Kind oder eine Gruppe von Geschwistern nach einer Krise wieder in die Herkunftsfamilie zurückkehren kann oder ob es besser ist, ein neues Zuhause für sie zu finden. Falls das der Fall sein sollte, kann eine Möglichkeit sein, dass die Kinder ins Kinderdorf nach San Pedro kommen, um dort heimisch zu werden und langfristig zu leben.

Doch auch wenn die Kinder nur kurz vor Ort sind: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind toll“, berichtet Christian Cruz. „Es gibt erfahrene Betreuerinnen, die mit viel Liebe und Durchsetzungskraft zu den Kindern durchdringen. Eine der Tías – der Betreuerinnen – war übrigens selbst früher bei nph. Sie kann sich also gut in die Kinder hineinfühlen. Und selbst unser Gärtner hat pädagogisches Talent“, schmunzelt er.

Selbstversorgung auf weitläufigem Grund

Zwischen dem nph-Kinderdorf und dem Kinderschutzhaus liegt eine rund 80-minütige Autofahrt. Das weitläufige Gelände und die hübschen, farbenfrohen Gebäude in Monte Plata wurden von einer wohltätigen US-Amerikanerin errichtet. Diese konnte ihr eigenes Projekt dort nicht weiterführen und spendete Grundstück, Gebäude und eine Grundfinanzierung an nph – eine schöne Basis für die Arbeit des Teams.

Rund 14 Fußballfelder groß ist das Gelände – da ist Platz für einen Bolzplatz mit selbst gebautem Tooooooor aus Ästen!

Rund 14 Fußballfelder groß ist das Gelände – da ist Platz für einen Bolzplatz mit selbst gebautem Tooooooor aus Ästen!

Wie an anderen nph-Standorten gewinnt das Team in Monte Plata einen Teil der Nahrung für Kinder und Erwachsene im Haus aus eigenem Anbau. Es gibt einen Garten zur Selbstversorgung sowie eine Kuh und einige Schafe, deren Milch die Kinder trinken können. Ein Gärtner kümmert sich um die Pflege der über 100.000 Quadratmeter großen Anlage. Das entspricht 14 Fußballfeldern. Die gute Erde und die Größe des Grundstücks laden dazu ein, das Konzept der Selbstversorgung weiter auszubauen, wie es schon im dominikanischen Kinderdorf der Fall ist.

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