Unruhen und Proteste in Haiti

Haiti: Gewaltsame Proteste gegen die Regierung

Tausende Demonstranten im ganzen Land werfen der Regierung vor, Hilfslieferungen veruntreut zu haben. Auch der Präsident soll betroffen sein.

Brennende Barrikaden, Straßensperren aus Autoreifen, schwarze Rauchwolken am Himmel. Immer wieder sind einzelne Schüsse zu hören. Seit letztem Donnerstag, 7.02.2019, herrscht in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince der Ausnahmezustand. Die Opposition und Sozialverbände hatten die Menschen zum Generalstreik aufgerufen. Seitdem protestieren Tausende inzwischen im ganzen Land gegen Korruption und Vetternwirtschaft.

 

Proteste legen öffentliches Leben lahm

„Die Gewaltbereitschaft und die Eskalation ist überall in den Straßen zu spüren. Alle Geschäfte, Schulen, sogar die Ministerien bleiben geschlossen. Das Personal kommt nicht zur Arbeit. Die Wege sind versperrt, niemand kann für ihre Sicherheit garantieren“, so beschreibt Cassagnol Destine, nph-Projektkoordinator Haiti, die momentane Situation in der Hauptstadt Port-au-Prince. „Ausländer werden zudem gebeten, sofort das Land zu verlassen.“

Cassagnol Destine (re.) zusammen mit einem Techniker und Schwester Bonite

Rücktrittsforderungen werden laut

Dem amtierenden Präsidenten Jovenel Moïse wird vorgeworfen, dass er die Veruntreuung von Hilfsleistungen in der Regierung vor seinem Amtsantritt nicht untersucht hat. Zudem wird der Regierung und dem Präsidenten Bestechung im Zusammenhang mit dem venezolanischen Energieprogramm Petrocaribe angelastet. Venezuela lieferte günstiges Erdöl. Die Einnahmen aus dem Preisunterschied sollten dem Staat beim Wiederbau helfen. Doch diese Gelder sind verschwunden und haben große finanzielle Löcher in die Staatskasse Haitis gerissen.

Das nph-Krankenhaus hilft

Seit den Ausschreitungen müssen alle Krankenhäuser deutlich mehr Notfälle versorgen, obwohl auch dort aus Sicherheitsgründen immer weniger Personal zur Arbeit kommen kann. Auch im St. Damien-Krankenhaus arbeitet nur eine Notfallbesetzung. Pater Richard, Direktor von nph Haiti und Arzt, beschreibt die Situation folgendermaßen: „Wir haben als Team schon so viele solcher schwierigen Momente im Land erlebt. Wir haben viel Schlimmes gesehen und auch überstanden. Wir sind hier und wir können nicht einfach unsere Türen schließen und die Koffer packen. Es ist die Realität, mit der wir umgehen müssen und wir schaffen es.“

Pater Richard, Direktor von nph Haiti und Arzt, im nph-Krankenhaus St. Damien.

Das Kinderdorf ist gesichert

Das nph-Kinderdorf St. Hélène liegt in den Bergen von Kenscoff. Es wird gut durch eigene Sicherheitsleute bewacht. Bislang gab es keinerlei Versuche, sowohl dort als auch in die Einrichtungen der Schwesterorganisation St. Luc einzudringen. Die nph-Schulen bleiben bis auf Weiteres geschlossen, um nicht das Leben der Kinder zu gefährden.

Nach der Messe im nph-Kinderdorf St. Hélène.

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22.11.2018

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Seit drei Tagen gibt es wieder heftige Auseinandersetzungen in der Hauptstadt des Karibikstaates, Port-au-Prince sowie einigen Gemeinden. Zigtausende Teilnehmer wenden sich mit einer Großdemonstration gegen Korruption und die in der Kritik stehende Politik.

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