nph Kinderhilfe Lateinamerika Nachrichten https://www.nph-kinderhilfe.org/ Neueste Nachrichten von nph Kinderhilfe Lateinamerika de nph Kinderhilfe Lateinamerika Nachrichten https://www.nph-kinderhilfe.org/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif https://www.nph-kinderhilfe.org/ 18 16 Neueste Nachrichten von nph Kinderhilfe Lateinamerika TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Thu, 08 Oct 2020 18:20:00 +0200 Ein Zuhause auf Zeit https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7545&cHash=328ae9553763897f022ba6c3421158a1 Seit drei Jahren kümmert sich das Team des Kinderschutzhauses von nph in der Dominikanischen... Ein großes Herz für Kinder in Krisensituationen – das haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderschutzhauses Niños de Dios von nph in der Dominikanischen Republik. Das Haus eröffnete offiziell im Dezember 2017, aber schon im Oktober nahm das Team die ersten Fälle schutzbedürftiger Kinder dort auf. Das bedeutet: In diesen Tagen feiert das Team von Niños de Dios dreijähriges Bestehen.

Kinderschutzhaus

Das Kinderschutzhäuser - richtiger die Häuser - sind von weiträumigen Grünanlagen umgeben. Für die Kinder ein perfekter Ort zum Spielen. Hier können sie ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten.

Und der Bedarf ist riesig; er liegt oft über den 18 dort zur Verfügung stehenden Plätzen. Niños de Dios ist eine Unterkunft für Kinder in Notsituationen, wo sie schnell Hilfe bekommen, beispielsweise, wenn die Gewalt in der Familie zu groß wird, Drogen oder Krankheit sich zu akuten Notsituationen zuspitzen. Dann greift das gut etablierte Zusammenspiel zwischen nph in der Dominikanischen Republik und der örtlichen Kinder- und Jugendbehörde CONANI, auf deren Wunsch und Anregung das Haus erst entstanden war.

Gewalttätige Eltern gefährden Kinder

Die Betreuer – tíos genannt – sind Vorbilder für die Kinder, die oft mit Gewalterfahrungen ins Schutzhaus kommen.

Die Betreuer – tíos genannt – sind Vorbilder für die Kinder, die oft mit Gewalterfahrungen ins Schutzhaus kommen.

Doch was sind das für Situationen, in denen Kinder von ihren Verwandten getrennt werden müssen? Wenn Vater und Mutter eine Gefahr sind? – Da gab es zum Beispiel sechs Brüder, im Alter zwischen drei und zwölf Jahren, die ins Haus Niños de Dios gekommen waren, weil der gewalttätige Vater die Familie tyrannisierte. „Es gibt ein großes Problem mit häuslicher Gewalt hier in der Dominikanischen Republik – nicht nur durch die Väter, auch die Mütter üben Gewalt aus“, erläutert Kirsten (Kiki) Henschel-Rolla, die als Projektkoordinatorin für nph in der Dominikanischen Republik lebt.

Nachdem der Vater einige Wochen später festgenommen worden war, konnten die Brüder aus dem Kinderschutzhaus wieder zu ihrer Mutter zurückkehren. Es gibt noch Kontakt; die Mutter sagt, dass es ihren Söhnen gut geht und dass sie zur Schule gehen. „Unser Ziel ist es, Geschwister auch in Krisensituationen nicht zu trennen“, sagt Christian Cruz, der das Haus leitet.

Jeder kommt mit seiner eigenen Geschichte

Christian Cruz ist froh, dass die sechs Jungs wieder zuhause sind. Denn nicht immer läuft alles nach Plan. Gleich zu Anfang, als das Haus eröffnete, kam eine ganze Familie, der das Team schlicht keine Hilfe verwehren konnte: eine Mutter mit Krebs im Endstadium mit fünf Kindern. Sie blieb bis zu ihrem Tod im Kinderschutzhaus, wo sie beruhigt sterben konnte, wie sie sagte. Denn sie wusste, dass ihre Kinder bei nph gut aufgehoben sein würden. Die fünf leben heute im nph-Kinderdorf San Pedro.

Normalität leben: Schule, Fußball, Hausarbeit

Morgens um 7.30 Uhr: Die Kinder im blauen Hemd machen sich bereit für den Schulbesuch. Als 2. von rechts steht der Leiter Christian Cruz, links einige der Betreuerinnen.

In der Zeit, die die Kinder im nph-Schutzhaus verbringen, besuchen sie die Schule der nahegelegenen Stadt Monte Plata. Stand heute, im Herbst 2020 soll es allerdings aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen im laufenden Schuljahr keinen Präsenzunterricht in der Schule geben.

Darüber hinaus erhalten die Kinder – oft dringend benötigte – medizinische Behandlung und bei Bedarf bringt das nph-Team die Kinder auch in die Hauptstadt Santo Domingo zum Arzt. Das Leben ähnelt dem in einem normalen nph-Kinderdorf: Zusätzlich zum Schulbesuch gibt es regelmäßiges Fußballspielen. Zudem übernehmen die Kinder einfache Aufgaben im Haushalt oder im Garten. Manchmal können die Kids auch an Veranstaltungen des Kinderdorfs in San Pedro teilnehmen.

Ein tatkräftiges Team mit viel Erfahrung

guteseele

Eine gute Seele: Betreuerin Melida (2. von links) ist mittlerweile im Ruhestand. Rechts steht Betreuerin Yolanda, ein ehemaliges nph-Kind aus San Pedro.

Der große Unterschied: Die Kinder bleiben in der Regel nur kurz im Schutzhaus. Die Mitarbeiter von CONANI entscheiden normalerweise zügig, ob ein Kind oder eine Gruppe von Geschwistern nach einer Krise wieder in die Herkunftsfamilie zurückkehren kann oder ob es besser ist, ein neues Zuhause für sie zu finden. Falls das der Fall sein sollte, kann eine Möglichkeit sein, dass die Kinder ins Kinderdorf nach San Pedro kommen, um dort heimisch zu werden und langfristig zu leben.

Doch auch wenn die Kinder nur kurz vor Ort sind: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind toll“, berichtet Christian Cruz. „Es gibt erfahrene Betreuerinnen, die mit viel Liebe und Durchsetzungskraft zu den Kindern durchdringen. Eine der Tías – der Betreuerinnen – war übrigens selbst früher bei nph. Sie kann sich also gut in die Kinder hineinfühlen. Und selbst unser Gärtner hat pädagogisches Talent“, schmunzelt er.

Selbstversorgung auf weitläufigem Grund

Zwischen dem nph-Kinderdorf und dem Kinderschutzhaus liegt eine rund 80-minütige Autofahrt. Das weitläufige Gelände und die hübschen, farbenfrohen Gebäude in Monte Plata wurden von einer wohltätigen US-Amerikanerin errichtet. Diese konnte ihr eigenes Projekt dort nicht weiterführen und spendete Grundstück, Gebäude und eine Grundfinanzierung an nph – eine schöne Basis für die Arbeit des Teams.

Rund 14 Fußballfelder groß ist das Gelände – da ist Platz für einen Bolzplatz mit selbst gebautem Tooooooor aus Ästen!

Rund 14 Fußballfelder groß ist das Gelände – da ist Platz für einen Bolzplatz mit selbst gebautem Tooooooor aus Ästen!

Wie an anderen nph-Standorten gewinnt das Team in Monte Plata einen Teil der Nahrung für Kinder und Erwachsene im Haus aus eigenem Anbau. Es gibt einen Garten zur Selbstversorgung sowie eine Kuh und einige Schafe, deren Milch die Kinder trinken können. Ein Gärtner kümmert sich um die Pflege der über 100.000 Quadratmeter großen Anlage. Das entspricht 14 Fußballfeldern. Die gute Erde und die Größe des Grundstücks laden dazu ein, das Konzept der Selbstversorgung weiter auszubauen, wie es schon im dominikanischen Kinderdorf der Fall ist.

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Nachrichten_von_nph cordula.schulze@nph.org Thu, 08 Oct 2020 18:20:00 +0200
Gesundheit für Kinder in Haiti: Weitermachen auch in Krisenzeiten https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7539&cHash=bae2794481385e19fced9a7ca05f11e0 Trinkwasser, Gesundheitschecks, Hygieneschulungen: Seit einem Jahr läuft in Haiti ein Hilfsprojekt,... „Gesunde Schulen – starke Kinder“, so heißt das aktuelle Projekt von nph in Haiti, das die SKALA- Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten in Kooperation mit der Phineo AG zu einem großen Teil mitfinanziert.

Es geht es darum, Kindern, ihren Eltern und Nachbarn der Schulen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen. 450.000 Menschen sollen profitieren. Außerdem erhalten 5.500 Schulkinder medizinische Versorgung, 360 Schulangestellte nehmen an medizinischen Schulungen teil und rund 50.000 Angehörige der Schulkinder lernen über eine Gesundheitskampagnen, besser auf sich und ihre Gesundheit achtzugeben.

Trinkwasser in Haiti

Dank der bereits errichteten Trinkwasseranlagen können die Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenhof trinken und ihre Wasserflaschen auffüllen.

Schulen werden Gesundheitsstationen

Kurz gesagt: Mit einfachen, ökonomischen Mitteln kann viel erreicht werden für die Bevölkerung in den Armensiedlungen am Rande der Großstädte in Haiti. Denn: Hier gibt es oftmals keine Versorgung mit sauberem Trinkwasser und es wäre für viele Familien zu teuer, genug davon zu kaufen. Der Mangel an Wasser führt zu Krankheiten, die besonders den Kindern zusetzen und ihren Schulerfolg gefährden. Diesen Kreislauf durchbricht „Gesunde Schulen – starke Kinder“. Die Schule als zentraler Ort und Treffpunkt für Kinder, Lehrpersonal und Familien wird zum Versorgungs- und Wissensstützpunkt rund ums Wasser.

Nicht nur während der Schulzeit können die Kinder so viel trinken, wie sie wollen – ihre Familien können gegen ein minimales Entgelt Wasser an der Schule kaufen. Ein Gewinn für alle Beteiligten.

Hygieneschulung unseres Personal

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulen erhalten im Rahmen des Projekts Schulungen zu Hygiene und Gesundheitsvorsorge. Dieses Wissen geben sie dann weiter.

Projektumsetzung unter erschwerten Bedingungen

Zugegebenermaßen war der Startzeitpunkt im Herbst 2019 unglücklich, weil er von den Ereignissen im ärmsten Land der westlichen Welt geradezu überrollt wurde: In Haiti brach bald darauf eine Krise aus. Die Bevölkerung protestierte gegen Inflation und steigende Preise für Lebensmittel und Treibstoff. Bald darauf nutzten Banden die unsichere Situation, um Straßenblockaden zu errichten; Gewalt und Ausschreitungen legten das öffentliche Leben lahm. Auch die Schulen waren davon betroffen. Und dennoch schaffte das Projektteam es, die ersten Trinkwasseranlagen zu etablieren und die ersten Maßnahmen einzuleiten.

Schon mehr als 2.000 Kinder medizinisch untersucht

Mit Verzögerungen, aber voller Tatendrang startete das Projektteam nach dem Abflauen der Krise im Dezember 2019 wieder in die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen. Vor und während des Coronaausbruchs konnten folgende große Schritte erfolgreich umgesetzt werden:

  • Im Jahr 2020 wurden bereits in sechs Schulen medizinische Check-Ups durchgeführt. Von den rund 2.100 untersuchten Kindern hatten 781 medizinisch auffällige Symptome. Die häufigsten Krankheitsbilder waren grippale Infekte, Hautflechten, Pilzinfektionen und Darmparasiten. Besonders diese Parasiten sind sehr wahrscheinlich auf verunreinigtes Wasser und Lebensmittel zurückzuführen. Die untersuchten Kinder erhielten direkt aus den im Rahmen des SKALA-Projektes eingerichteten Schulapotheken entsprechende Medikamente. Dringende Fälle wurden an umliegende Krankenhäuser verwiesen. Die Eltern sind mit eingebunden und tragen die Verantwortung für die medizinische Nachversorgung.
  • Vier Trinkwasseranlagen sind voll in Betrieb und liefern Trinkwasser für die Schulkinder, das Personal und die Bevölkerung im Umfeld der vier Schulen. Mikrobiologische und chemische Wasseranalysen im nationalen Labor (DINEPA) zeigten: Die Qualität des Wassers ist sehr gut. Übrigens: Alle vier Trinkwasseranlagen sind solarbetrieben.

Das Zeitfenster bis zur nächsten Katastrophe war nicht groß: Schon im Frühjahr kündigte sich die Coronapandemie auch in Haiti an. Es dauerte bis Mitte März, bis der erste Todesfall offiziell bestätigt war und das öffentliche Leben wieder stark eingeschränkt wurde. Die Regierung rief den „Sanitären Notstand“ aus, erneut schlossen die Schulen, die Bewegungsfreiheit der Menschen war eingeschränkt. Und dennoch ging es weiter mit dem Wasserprojekt, den widrigen Umständen zum Trotz.

Neue Trinkwasseranlagen sind in Bau

Im Juni konnte der Auftrag für die Installation von sechs weiteren Wasseraufbereitungsanlagen erteilt werden. Die Bau- und Installationsmaßnahmen konnten und können zum Glück auch mit den Einschränkungen der Coronaschutzmaßnahmen gut umgesetzt werden.

Manche der vorgesehenen Teilprojekte wie zum Beispiel die Fortführung der medizinischen Check-ups finden derzeit aus Gründen des Hygieneschutzes nicht statt. Sobald möglich, werden diese fortgeführt – hatte doch die erste Runde gezeigt, wie sinnvoll und dringend nötig diese sind in einem Land, das für Kinder keine Vorsorgeuntersuchungen vorsieht, wie es beispielweise in Deutschland die so genannten „U-Untersuchungen“ sind. Auch die Sensibilisierungsmaßnahmen für die Eltern und Community-Mitglieder sowie Schulungen für das Personal konnten wieder stattfinden.

Vorsorge, Aufklärungskampagnen und Informationen

Aufklärung und Schutzmaßnahmen rund um den bevorstehenden Covid-19-Ausbruch planten die medizinischen und pädagogischen Teams von nph International und der Fondation St. Luc bereits im Frühjahr. Im Rahmen des Projekts „Gesunde Schulen – starke Kinder“ trug das Projektteam zur Aufklärung der Bevölkerung über Hygienevorschriften und Abstandsregeln bei. Auch für Analphabeten und Kinder ist gesorgt. Sie erhalten bebilderte Informationen. Die Schulen halten den Kontakt zu allen Schulkindern und ihren Famien aufrecht. So sind sie über ihren Gesundheitszustand informiert und können zumindest in kleinem Umfang Maßnahmen umsetzen.

Lebenswichtiger persönlicher Kontakt

Wie wichtig es ist, dass die Familien die Anbindung an die Schulen und an Hilfe der nph-Partnerorganisation St. Luc erhalten, bestätigen Marie-Louise und Mirlande, beide Mütter von Kindern, die die St. Marie Schule besuchen. Marie-Louise sagt: „Wir sind sehr dankbar, dass St. Luc auch in Coronazeiten Trinkwasser bereitstellt. Ansonsten hätten wir viele Kilometer bis zur nächsten Wasserstelle laufen müssen und wären beim Schlangestehen viel mehr Risiken ausgesetzt gewesen.“ Mirlande ergänzt: „Ich hätte nie gedacht, dass das St.-Luc-Team bei so vielen Schülern tatsächlich den Kontakt zu allen Familien sucht. Es hat mich sehr berührt, dass ein Mitarbeiter mich fragte, ob es uns gut gehe und ob wir Zugang zu Wasser und Hygieneprodukten hätten. Da wusste ich, ich bin nicht alleine in dieser schwierigen Zeit“.

Gesundheit sprudelt aus dem Hahn

Wasser für alle

Jede der Trinkwasseranlagen hat zwei Seiten: eine Wasserstelle auf dem Schulhof und eine Abfüllstelle an der Außenmauer der Schule mit Verkaufskiosk. Die Behälter zum Befüllen müssen die Familien selbst mitbringen. Der Wasserverantwortliche sorgt dafür, dass sie gereinigt sind.

Besonders schön ist, dass die ersten vier Standorte mit Trinkwasseranlagen auch zu Coronazeiten schon dazu beitragen, dass viele Familien gesünder leben können. Hygiene-Konzepte für die Verteilung wurden implementiert. An drei Tagen in der Woche sind die Trinkwasserverteilstellen für die Bevölkerung zugänglich. Pro Tag werden rund 15.000 Liter Trinkwasser in den vier Standort an die Bevölkerung verteilt. Pro Standort und Tag profitieren etwa 600 Personen vom Trinkwasser. Das macht dann insgesamt 7.200 Begünstigte pro Woche, die im Rahmen von „Gesunde Schulen – starke Kinder” wertvolle Hilfe bekommen. Seit Mitte August der Unterricht an den Schulen wieder stattfindet, profitieren noch mehr Kinder vom gesunden Trinkwasser.

Das Projekt läuft laut Plan noch bis 2021. Wollen Sie mithelfen? Es werden noch rund 200.000 Euro benötigt, bis alle Maßnahmen finanziert sind.

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Nachrichten_von_nph cordula.schulze@nph.org Tue, 29 Sep 2020 09:41:00 +0200
Selbstversorgung: Im Kinderdorf wächst ein Waldgarten https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7536&cHash=d8e8994c3bd4259ca6d30c96443f1109 In der Dominikanischen Republik setzt nph bei der Versorgung mit Lebensmitteln auf nachhaltige... Ein essbarer Wald: Diese Idee aus der nachhaltigen Landwirtschaft hat in den Köpfen der nph-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Dominikanischen Republik Wurzeln geschlagen – sprichwörtlich. Im Kinderdorf gibt es schon lange Landwirtschaft. Kürbisse, Auberginen, Süßkartoffeln und Früchte, Gemüse und Kräuter reifen auf den eigenen Anbauflächen heran. Auch Nutztiere wie Rinder, Schweine und Ziegen leben mit auf dem rund 200.000 Quadratmeter großen Gelände, das durch eine Schenkung um rund weitere 100.000 Quadratmeter wachsen wird.

Jungen gießen Ananaspflanzen mit Wasser.

Zwei Becher Wasser pro Ananaspflanze sind nötig, wenn es nicht regnet. Das lernen die Kids im nph-Kinderdorf von Juan, der bei einem internationalen Intensiv-Workshop über Permakultur schon viel gelernt hat und sein Wissen jetzt intern weitergibt.

Landwirtschaft wird Permakultur

Die eigene Landwirtschaft hilft, die Versorgung im Kinderdorf für Kinder und Mitarbeitende zu sichern. Nun geht das nph-Team einen Schritt weiter auf dem Weg zu nachhaltiger Permakultur: Was man im Deutschen einen Waldgarten nennt folgt der Idee, beim Anlegen von Feldern und Gärten einen Wald zu imitieren. Große Pflanzen spenden kleinen Schatten, manche Pflanzen geben, andere benötigen bestimmte Nährstoffe, manche wollen dicht nebeneinander wachsen, andere brauchen Abstand. Das Ziel: Mit möglichst wenig Dünger und Bewässerung auf natürliche Weise gesunde Lebensmittel anzubauen. Eine wahrhaft paradiesische Vorstellung!

Wirtschaftsministerium unterstützt Projekt

Kirsten Henschel-Rolla (Kiki) ist die zuständige Projektkoordinatorin bei nph in der Dominikanischen Republik. Bei ihr laufen die Fäden zusammen, wenn es darum geht, das aktuelle Projekt zum Thema Wassermanagement und Permakultur voranzutreiben.

Im Zuge eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Zusammenarbeit (BMZ) geförderten Projekts zum Thema „Integriertes Wassermanagement“ hat das Kinderdorf von nph in der Dominikanischen Republik im Zeitraum 2019-2020 eine Wasseraufbereitungsanlage erhalten. Mit ihrer Hilfe kann Schmutzwasser aus dem Kinderdorf gereinigt werden und steht anschließend für die Landwirtschaft zur Verfügung. Das Gute daran: Das wertvolle Trinkwasser aus Grundwasser, das bisher für die Bewässerung der Landwirtschaft verwendet wird, kann künftig an arme Menschen in den umliegenden Vierteln günstig abgegeben werden. Das Wasser durchläuft einen sinnvollen und nachhaltigen Kreislauf: nph entnimmt es dem Boden und führt es nach mehreren Nutzungsarten wieder dem Boden zu, ohne dass Verschmutzungen ins Grundwasser gelangen.

Ein kleiner Waldgarten zu Übungszwecken

Nachbarn pflanzen im Waldgarten neue Pflanzen und setzen gelerntes aus dem Permakulturworkshop um.

Praktisches Lernen: Beim Permakultur- und Wassermanagement-Workshop für Bauern, Nachbarn und Freunde von nph in der dominikanischen Republik geht es ans Pflanzen. Einer der älteren Jugendlichen aus dem nph-Kinderdorf macht den Anfang.

Damit sind dann die Voraussetzungen geschaffen, erste Gehversuche mit dem Waldgarten zu machen: Derzeit gibt es auf 2.000 Quadratmetern im eigentlichen Gelände des Kinderdorfs eine erste Fläche, wo externe Interessenten geschult werden und wo die Kinder auch mitverfolgen können, wie ein solcher „essbarer Wald“ entsteht und wo auch die Herausforderungen dabei liegen. Dieser Bereich ist mit einem so genannten „lebenden Zaun“ vor hungrigen Ziegen geschützt: Dabei werden Setzlinge von Bäumen rund ums Gelände gesteckt und wenn sie angewachsen sind, mit Draht miteinander verbunden – einfach, Schatten spendend und effektiv. Diese Übungsfläche kann auf insgesamt 6.000 Quadratmeter ausgeweitet werden. Für die Zukunft steht ein großes Grundstück zur Verfügung, das der Staat nph kürzlich vermacht hat. Es grenzt direkt ans Kinderdorf. „Bevor dort wieder etwas wachsen kann, müssen wir viel Arbeit investieren“, sagt Kirsten Henschel-Rolla. „Die Böden der ehemaligen Zuckerrohrplantagen sind ausgelaugt. Aber es ist Raum für Entwicklung da, und wir haben schon viele Ideen.“

Wissensträger aus den eigenen Reihen

Das Know-how für die Permakultur und vor allem für das Anlegen des Waldgartens kommt übrigens von einem Hermano Mayor. So nennt nph ehemalige Kinderdorfkinder, die die Schule abgeschlossen und bereits ein Jahr in der Gemeinschaft gearbeitet haben. Viele von ihnen stellen im Anschluss ihre Arbeit in den Dienst von nph, beispielsweise als Ärztinnen oder Lehrer. Juan hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und an einem internationalen Intensiv-Workshop über Permakultur teilgenommen. Als Wissensträger hat er nun erste Entwürfe für einen Waldgarten im Kinderdorf entwickelt.

Wissensträger zeigen wie man Stroh um Pflanzen legt um sie feucht zu halten und zu düngen.

Nachhaltige Methoden: Ein Workshopleiter zeigt, wie man aus Stroh oder Gras ein Nest um eine junge Pflanze legt, das Feuchtigkeit speichert. Wird es nicht mehr gebraucht, zerfällt es nach und nach zu Dünger.

Das Know-how weitergeben

Domingo zeigt eine Pflanze aus dem Waldgarten.

Alle nph-Kinderdörfer verfolgen das Ziel, Obst und Gemüse selbst anzubauen und eine Viehzucht aufzubauen: gesundes Essen im Einklang mit der Natur, das unabhängig macht von den Lebensmitelpreisen.

Und das Thema entwickelt sich fort: Eine Patin aus den USA begleitete Juan zum Workshop, um ihn vor Ort zu unterstützen. Zudem stellt nph im Rahmen des vom BMZ geförderten Projektes auch Wissen über Kreislaufwirtschaft und Permakultur für Bauern, Kleinbauern und Interessierte zur Verfügung. Sie erhalten theoretische und praktische Schulungen. So profitieren auch Nachbarn, Freunde und andere Menschen, die nph verbunden sind, von dem wertvollen Wissen über den sorgsamen Umgang mit der Natur.

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende für Wasserpumpen, Wassertanks, Saatgut, Setzlinge und Gartengeräte beim Ausbau des Waldgartens. Im Namen der Kinder, die genug gesundes Essen haben, danken wir Ihnen schon jetzt.1

*Die Namen der erwähnten Kinder wurden geändert, um ihre Identität zu schützen.

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Nachrichten_von_nph markus.wessbecher@nph-kinderhilfe.de Thu, 17 Sep 2020 10:01:00 +0200
Dominikanische Republik: Wasser nachhaltig nutzen https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7532&cHash=51629e8ebedf28fbc263ba4640888f83 Eine Aufbereitungsanlage im nph-Kinderdorf hilft, wertvolles Grundwasser zu sparen. Schulungen rund... „Bei uns in der Dominikanischen Republik ist Wasser immer ein großes Thema: Wir sind von Meer umgeben, von Regen abhängig und wir spüren die Folgen des Klimawandels ganz besonders. Dürreperioden und sinkende Niederschläge verschärfen die Situation“, sagt Kirsten Henschel-Rolla (Kiki). Sie lebt als Projektkoordinatorin in dem kleinen Karibikstaat.

Und genau diese Situation war es, die den Stein vor rund zwei Jahren ins Rollen brachte: „Uns war klar, dass wir nicht weiter das wertvolle Grundwasser für alle möglichen Zwecke – von der Körperhygiene über die Toilettenspülung bis zur Bewässerung unserer Landwirtschaft – verwenden können. Wir wollten einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und eine Wasseraufbereitungsanlage installieren, wie sie manche Hotels hier schon haben.“

Wasseraufbereitungsanlage Bauplanung

Alfredo ist der langjährige Baumeister des nph-Kinderdorfs in der Dominikanischen Republik. Hier zeigt er den Plan für die Wasseraufbereitungsanlage. Schon das erste Kinderhaus hat er mit seinem Onkel zusammen errichtet.

nph nimmt Vorbildfunktion wahr

Denn auch wenn nph in der Dominikanischen Republik kein Hotel unterhält, so ist das Kinderdorf mit seinen rund 150 internen und 220 externen Kindern und den rund 40 Mitarbeitenden von der Struktur her doch einem Hotel nicht unähnlich. Einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen praktiziert nph dort schon lange durch Recycling-Projekte, Mülltrennung und Kompostierung sowie nachhaltige Landwirtschaft zur Selbstversorgung. Klimaschutz spielt also eine große Rolle. Aus diesem Gedanken heraus war es dann klar, dass das nur grob gefilterte Schmutzwasser nicht wie bisher einfach in den Boden geleitet werden kann.

Den Wasserkreislauf wieder schließen

Die Idee: Auf dem Gelände des Kinderdorfs soll eine Abwasseraufbereitungsanlage entstehen. Diese nimmt das Schmutzwasser des gesamten Kinderdorfs auf, reinigt und klärt es so weit, dass es zur Bewässerung der Landwirtschaft verwendet werden kann. Anschließend versickert es im Boden – der Kreislauf zum Grundwasser schließt sich, ohne Belastung für die Natur.

Projektpartner Entwicklungsministerium

Als Partner für das Projekt zum Thema „Integriertes Wassermanagement“ konnten nph in der Dominikanischen Republik und die nph Kinderhilfe Lateinamerika in Deutschland das Bundesministerium für Wirtschaft und Zusammenarbeit (BMZ) gewinnen. Diese finanzierte den Bau und die Inbetriebnahme der Anlage zu einem großen Teil. Das Gesamtprojekt belief sich auf circa 223.000 Euro, wovon der Löwenanteil in Höhe von 166.649 Euro vom BMZ gefördert wurde. Der Projektzeitrahmen ist 2019-2020, wobei noch offen ist, ob die Coronapandemie eine Verschiebung nötig machen wird.

Zement, Kies, Sand für Wasseraufbereitungsanlage

Hier bewegt sich was: Der Aushub der Grube für die Wasseraufbereitungsanlage ist rötlich; Kies und Sand für den Zement bilden den grauen Hügel.

Nachbarschaftshilfe durch günstiges Trinkwasser

Ein weiterer Vorteil des neuen Umgangs wird es sein, dass das gute, saubere Grundwasser, das nur leicht aufbereitet werden muss, bis es Trinkwasserqualität hat, mehr Menschen als Trinkwasser zur Verfügung steht. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung im Umfeld des Kinderdorfs.

Anstatt auf dem Feld für die Bewässerung zu dienen, kann ein Teil der 900 Liter täglich in Kanister abgefüllt und den armen Bewohnern der Umgebung sehr günstig verkauft werden. Das ist eine wichtige Maßnahme, da diese oftmals keinen Zugang zu Trinkwasser haben und sich das Wasser in Flaschen nicht leisten können. Das führt zu Problemen mit der Ernährung, Gesundheit und Hygiene – ein besonders wichtiges Thema in Zeiten von Corona!

Grauwasseraufbereitung gefördert vom BMZ

Es geht voran: Die Arbeiter bereiten das Ausgießen der vorbereiteten Elemente mit Beton vor. Den bringt ein LKW. Beton wird auf kleinen Baustellen im Kinderdorf oft von Hand gerührt, aber hier braucht es große Mengen!

Arbeitsplätze schaffen

Fünf Kleinhändler werden in Kooperation mit nph ein Auskommen haben, wenn sie mit Esels- oder Handkarren die Wasserkanister günstig kaufen und mit einer auskömmlichen Marge an Menschen in der Umgebung verkaufen. Die Wasseraufbereitungsanlage schafft also, sobald sie in Betrieb genommen werden kann, Arbeitsplätze. Und die rund 3.000 Menschen in den umliegenden Bateyes – den ehemaligen Unterkünften der Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen – profitieren von der Nähe zur Wasseraufbereitungsanlage und dadurch vom Zugang zu sauberem Wasser durch die Kleinhändler.

Zum Stand der Dinge: Die Wasseraufbereitungsanlage steht und ist betriebsbereit. Leider hat die Corona-Pandemie bisher die Inbetriebnahme verhindert, aber diese soll schnellstmöglich erfolgen. Gleiches gilt für die Lizenz, damit nph das Wasser verkaufen kann.

Bewässerung - Wasserverteilung

Nicht in alle Ecken des Geländes reichen die Schläuche zur Bewässerung. Die Schweine zum Beispiel bekommen Futter und Wasser in diesen umgenutzten äußerst praktischen ehemaligen Farbeimern.

Schulungen für Bauern und interessierte Erwachsene aus der Region

Ein zweiter Teil des vom BMZ geförderten Projekts ist die Schulung von Kindern und Erwachsenen rund um den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Denn das Bewusstsein für den sicheren und effizienten Umgang mit Wasserressourcen, ökologische Aspekte sowie Hygiene zur Krankheitsprävention sind in Teilen der Bevölkerung noch sehr schwach ausgebildet. Gezielte Schulungen von Multiplikatoren – also Menschen, die Wissen weitergeben können – sowie die Ansprache von begeisterungsfähigen Schülerinnen und Schülern sollen Abhilfe schaffen.

Theoretische und praktische Kenntnisse

Rund 100 Erwachsene erhielten bereits Schulungen zu nachhaltigem Wassermanagement, Kreislaufwirtschaft, Anbaumethoden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Berufsgruppen erfuhren, wie sie durch natürliche Bewässerung und Düngung erfolgreich nachhaltige Landwirtschaft betreiben können. Die Methoden helfen sowohl beim Urban Gardening als auch beim Bestellen größerer Flächen. Die Multiplikatoren – vor allem Bauern, Kleinbauern und Interessierte – erhielten theoretische und praktische Kenntnisse, die sie in ihrem Umfeld weitergeben können.

Bewässerung der Anpflanzungen

Hier ein Eindruck aus dem landwirtschaftlichen Bereich auf dem Gelände des nph-Kinderdorfs. Im Hintergrund sieht man Kochbananen-Pflanzen. Ein Hilfsgärtner bereitet die Bewässerung der Anpflanzungen vor. Die Bewässerung soll künftig aus der Wasseraufbereitungsanlage kommen und nicht mehr wertvolles Trinkwasser verbrauchen.

Übungsfläche für einen Waldgarten

Auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern entsteht zum Üben und als Anschauungsobjekt derzeit ein kleiner Waldgarten auf dem Gelände des Kinderdorfs. Ein Waldgarten ist eine essbare Landschaft, angelegt nach den Prinzipien der nachhaltigen Landwirtschaft oder auch Permakultur. Hier gehen Streuobstwiese, Gemüsegarten und Wald ineinander über und bieten einen nachhaltigen, ökologischen Lebensraum für Tiere, Pflanzen und die Menschen, die sich um den Waldgarten kümmern.

Nach der Anpflanzphase soll der Waldgarten ohne zusätzliche Bewässerung auskommen – wie in der Natur.

Kinder für Wasser sensibilisieren

Aber auch Kinder können im Rahmen des vom BMZ geförderten Projektes viel für ihr Leben und ihre Gesundheit lernen. Altersgerecht aufbereitet von einer Expertin aus Santo Domingo haben bereits an fünf von zehn Schulen Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 14 Jahren an Projekttagen teilgenommen. Das Ziel: sie für das Thema „Wasser“ zu sensibilisieren.

Auf dem Lehrplan standen Ressourcenschutz, Wassernutzung und Hygieneprävention. Auch wenn das erstmal sehr anstrengend klingt, so hatten die Schülerinnen und Schüler viel Freude beim Entdecken des Themas, da die Referentin sie ermutigte, das Gelernte als Song zu verarbeiten. Und Singen ist eine eingängige Methode, Inhalte zu vertiefen.

„Wir haben bewusst mit Experten vor Ort in der Dominikanischen Republik zusammengearbeitet“, erläutert Kirsten Henschel-Rolla die Vorgehensweise bei der Projektumsetzung: „Es geht uns darum, klarzumachen, dass es sich um ein eigenes, wichtiges Thema handelt, von den eigenen Leuten auf Augenhöhe vermittelt – und darum, den dominikanischen Ton zu treffen.“

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Nachrichten_von_nph cordula.schulze@nph.org Fri, 11 Sep 2020 15:49:00 +0200
Sternstunden e.V. spendet für die Kinder in Haiti und Honduras https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7534&cHash=047128c7bb791931559c749e1a0b2fbb Die großzügige Spende über 170.000 Euro des Fördervereins Sternstunden e.V. ist eine große Hilfe... Lateinamerika ist auch sechs Monate nach Beginn der Corona-Krise das Epizentrum der Pandemie. Nach wie vor gibt es strenge Maßnahmen und die Grenzen sind weitestgehend geschlossen. Gleichzeitig steigt die wirtschaftliche Not mit jedem Tag. Staatliche Hilfen für die Wirtschaft und für Arbeitslose gibt es kaum, sodass viele Menschen in existenzielle Not geraten sind. Armut und Unterernährung nehmen rapide zu. Derzeit leben in Haiti mehr als die Hälfte der 11 Millionen Einwohner in Armut, 2,5 Millionen sogar in extremer Armut.

Desinfektionsmittelherstellung im St. Damien Kinderkrankenhaus in Haiti.

Auch die eigene Herstellung von Desinfektionsmittel wird durch die Spenden wie die vom vom Verein "Sternstunden e.V." ermöglicht.

Nicht nur in Haiti treibt die Angst vor Armut und Hunger die Menschen auf der Suche nach Nahrung und Arbeit auf die Straße – trotz zum Teil drastischer Lockdown-Maßnahmen. Dazu kommt, dass die Gesundheitssysteme nicht erst seit Corona völlig überlastet sind und jetzt in der Krise vollends zusammenbrechen.

Gestiegene Lebensmittelpreise und hohe Ausgaben für Hygiene reißen finanzielle Lücken

Medizische Behandlung in Honduras.

Wir tun unser Bestes um unsere Kinder zu schützen. Ihre Spenden ermöglichen das.

Für nph ist es eine große Herausforderung, die Kinder und Familien in ihren Einrichtungen weiterhin gut zu versorgen. Infizierte müssen rechtzeitig entdeckt und isoliert werden. Sie brauchen medizinische Versorgung unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Das ist gerade in Einrichtungen, in denen - wie in Honduras - auch viele Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten leben, eine besondere Herausforderung. Es ist nicht nur eine menschliche, sondern wegen der hohen Ausgaben für Medikamente, Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel auch eine große finanzielle Belastung.

Aber auch die Versorgung der Schutzbefohlenen mit gesundem Essen und sauberem Trinkwasser wird zunehmend schwierig. Zwar wird in den meisten nph-Kinderdörfern ein Teil der Lebensmittel selbst produziert, aber die Kosten für die zugekauften Nahrungsmittel sind seit Ausbruch der Corona-Krise deutlich höher. So sind beispielsweise in Haiti die Preise für Weizen und Mais seit März um 40, in Honduras der Preis für Bohnen um 33 Prozent gestiegen.

Sternstunden e.V. unterstützt nph Haiti und Honduras mit je 85.000 Euro

Umso wichtiger ist Solidarität und Unterstützung durch Förderer und Hilfsprojekte, um – die Kinder – soweit irgend möglich - gut und  sorgenfrei durch die Krise zu begleiten. Sternstunden e.V., eine Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks und einiger Partner, unterstützt die nph-Kinderdörfer in Honduras und in Haiti mit je 85.000 € (insgesamt 170.000 €). Die Mittel sind für die Ernährung und die Versorgung mit Hygieneprodukten der Kinder in Haiti und Honduras vorgesehen. Sie sind eine große Hilfe für nph.

Sternstunden wurde 1993 gegründet und hilft kranken, behinderten und notleidenden Kindern. Der Förderverein engagiert sich für Kinderhilfsprojekte in Deutschland und der ganzen Welt. Bei Sternstunden wird jede Spende garantiert zu 100 Prozent in die Hilfsprojekte investiert.

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Nachrichten_von_nph Presse agathe.freudl@nph-kinderhilfe.org Fri, 28 Aug 2020 10:57:00 +0200
Corona in Lateinamerika: „Wir akzeptieren die neue Realität“ https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7527&cHash=f37215465c26f0b2872a12ef0a733aa2 Wie die Menschen bei nph im ersten halben Jahr mit dem Coronavirus gelebt und überlebt haben –... Seit dem Beginn des Gesundheitsnotstands wegen Covid-19 sind sechs Monate vergangen. Lateinamerika und die Karibik stehen nach wie vor im Epizentrum der Pandemie. Wir rechnen mit erheblichen Rückschlägen in den Bereichen, in denen wir seit vielen Jahren aktiv sind, zum Beispiel der Bekämpfung von Unterernährung, der Armutsrate, Inklusion, Zugang zu formalen Bildungs- und Gesundheitsdiensten, häusliche Gewalt und die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die öffentliche Gesundheit.

Heute gilt in den meisten Ländern weiterhin Quarantäne, und die Grenzen bleiben aus berechtigten Gründen geschlossen. Mit jedem Tag, der vergeht, steigt jedoch die Gefahr eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Der wiederum führt uns näher an den Punkt dauerhafter sozialer Rückschläge. Die meisten Regierungen in der Region können aus finanziellen Gründen keine Maßnahmen ergreifen, die Wirtschaft anzukurbeln. Dieses traurige Szenario steht unserem Ziel im Weg, die Armut zu beseitigen und nachhaltige Entwicklungsziele voranzubringen.

Notleidenden Menschen Schutz geben

Wir sehen eine Zunahme der sozialen Ungleichheit in den Armenvierteln der Städte. Wir beobachten mit Sorge, wie immer mehr Familien auf der Suche nach Nahrung und Geld auf die Straße gehen. Dies ist jedoch nur ein Teil des Problems; in den ländlichen Gebieten, die historisch in Vergessenheit geraten sind, ist die Situation noch schlimmer. Wirtschaftliche und soziale Rückschläge in diesen Gebieten beunruhigen uns am meisten. Hier sind wir besonders aktiv, notleidenden und ungeschützten Bevölkerungsgruppen Schutz und familiäre Unterstützung zu geben. Denn wir wissen – und erleben täglich -, welche Kraft Solidarität hat und welche Macht jeder Einzelne hat, um Veränderungen in der Welt herbeizuführen. Durch die großzügige Unterstützung einzelner Spender und Unternehmen können wir weiterhin alle Kinder und Erwachsene mit unseren Programmen erreichen.

nph in Lateinamerika leistet lebenswichtige Dienste

Im Kampf gegen diese Pandemie sehen wir eine Gesellschaft, die durch das Coronavirus erschüttert wird. Doch wir von nph setzen dem etwas entgegen: nph finanziert weiterhin medizinische Teams in jedem unserer Kinderdörfer, bietet hunderten von Familien ein sicheres Zuhause, sorgt für eine ausgewogene Ernährung, ermöglicht den Zugang zu Trinkwasser und psychischer Gesundheitsversorgung, stärkt Jugendliche, Frauen und Heranwachsende und leistet andere lebenswichtige Dienste in Lateinamerika.

Medizinische Versorgung bei nph

Unser medizinisches Team mit vollem Einsatz gegen Corona.

Am 28. Juli begingen wir den Welthepatitis-Tag. Nach WHO-Statistiken erreichten die Impfungen von Kindern gegen Hepatitis B im Jahr 2019 weltweit 85 Prozent, verglichen mit 30 Prozent im Jahr 2000. Mit Stolz können wir berichten, dass bei nph alle Kinder gegen Hepatitis B geimpft sind. Sie müssen nicht fürchten, infolge einer Hepatitis-Infektion an Leberzirrhose oder Leberkrebs zu sterben, dank eines Impfprogramms und der Unterstützung von Stiftungen, die diese lebenswichtigen Dienste für unsere Schützlinge finanzieren.

nph: Programme laufen weiter – mit Schutzmaßnahmen

Schutzmaßnahmen in den Kinderdöefern von nph.

Alle helfen dabei mit, sich gegenseitig vor dem Covid-19-Virus zu schützen.

Die nph-Einrichtungen führen ihre Programme so gut es geht weiter, auch wenn die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und finanzielle Zwänge vieles erschweren. Wir vom internationalen medizinischen Team bei nph wachen weiterhin darüber, dass die vorgeschriebenen Präventions- und Schutzmaßnahmen umgesetzt werden und dass die Areale unserer Einrichtungen sicher bleiben, obwohl wir uns der Herausforderungen bewusst sind, die diese Sicherheitsmaßnahmen für unsere Schützlinge und Mitarbeiter mit sich bringen. Die Teams in den Kinderdörfern leisten eine außerordentliche Arbeit, damit sich die Kinder bei nph sicher fühlen.

Jeden Tag etwas dazulernen über den Umgang mit Corona

In Lateinamerika ist die Bevölkerung sehr widerstandsfähig. Wir sind zuversichtlich, uns langsam an unsere neue Normalität zu gewöhnen. Wir sind immer noch dabei zu entschlüsseln, was das alles bedeutet, aber wir beginnen, die neue Realität zu akzeptieren, Masken zu tragen, zu Hause zu bleiben, Abstandsregeln zu respektieren und zu versuchen, vorwärts zu kommen. Wir hoffen, dass wir jeden Tag dazulernen und dass wir dank unserer Widerstandsfähigkeit eine Strategie entwickeln können, wie wir die Herausforderungen gemeinsam bewältigen können.

Schutzmaßnahmen gelten auch in den Kinderdörfern

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Präventions- und Schutzmaßnahmen weiterhin streng beachtet werden und fordern unsere Mitarbeiter dazu auf, auch weiterhin während der Arbeit jederzeit Masken zu tragen, Abstand zu halten, die Niesetikette zu beachten, sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen und auf Aktivitäten in großen Gruppen verzichten. Und wir empfehlen nachdrücklich die weitere Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung und Schnelltests.

Die Pandemie stellt uns vor große menschliche und auch materielle Herausforderungen. Damit wir unseren Kindern und den Familien im Umfeld der Kinderdörfer weiterhin verlässlich Schutz und Fürsorge geben können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie uns als Teil der nph-Familie, diese schwere Zeit zu überstehen und die notwendige Hilfe zu leisten.

Wir danken Ihnen sehr herzlich!
Viele Grüße
Dr. Edwin Vallecillo

Dr. Vallencillo, Leiter des internationalen medizinischen Teams von nph, ist selbst bei nph aufgewachsen und hat mit Unterstützung von nph sein Medizinstudium unter anderem in Kuba erfolgreich absolviert. Er lebt und arbeitet in Honduras.

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Nachrichten_von_nph cordula.schulze@nph.org Fri, 07 Aug 2020 09:56:00 +0200
Mexiko: Starkes Erdbeben fordert Menschenleben https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7521&cHash=b71e76e0ff3685ab9ad9ce140961636e Im Süden erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,5 das Land. Mindestens sechs Menschen starben. Das... Das Epizentrum des Bebens, das sich am Dienstagmorgen (10:29 Uhr, lokaler Zeit) ereignete, lag vor der Pazifikküste des Bundesstaates Oaxaca, teilte der seismologische Dienst Mexikos (SNN) mit. 303 Nachbeben wurden registriert, die größte mit einer Stärke von 4,6. Laut Zivilschutzbehörde seien sechs Menschen in Oaxaca ums Leben gekommen. Etwa 500 Wohnhäuser, 15 Gesundheitszentren, vier Schulen und vier archäologische Ausgrabungsstätten seien beschädigt worden, berichtete Gouverneur Alejandro Murat.

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Schäden halten sich offenbar in Grenzen

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador bestätigte, dass ihm keine Berichte über ernsthafte Schäden vorlägen. Auch in der 750 km entfernten Hauptstadt Mexikos war der Erdstoß zu spüren. Die Erinnerungen an das verheerende Beben vom 19. September 2017 wurden wach. Omar Garcia, Sekretär für Bürgersicherheit der Hauptstadt, konnte früh Entwarnung geben: Nach den ersten Überflügen über Mexiko-Stadt habe es keine Hinweise auf Einstürze von Gebäuden gegeben.

nph Mexiko bleibt verschont

Rafael Bermúdez, Leiter der mexikanischen nph-Einrichtungen, sagte mit großer Erleichterung, dass es allen Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitern von nph Mexiko gut gehe. Während des Bebens seien Evakuierungen durchgeführt und Präventionsprotokolle besprochen worden. „Die für die Erdbebensicherheit verantwortlichen Teams haben die Einrichtungen inspiziert. Alle Häuser sind in gutem Zustand und weisen keine strukturellen Schäden auf.“

Gewisses Risiko für Tsunamis

In der Folge wurde zunächst eine Tsunami-Warnung von der Wetter- und Ozeanografie­behörde der USA (NOAA) für die Pazifikküsten von Mexiko, Guatemala, Honduras, Ecuador und El Salvador herausgegeben, aber wieder zurückgezogen. Laut López Obrador schätzen Experten, dass der Meeresspiegel um etwa einen Meter ansteigen könnte, sehen also keine großen Risiken.

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Nachrichten_von_nph Wed, 24 Jun 2020 15:41:00 +0200
Lateinamerika ist das neue Epizentrum der Corona-Pandemie https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7517&cHash=3d451fdf043ba57909d919cc6b0284c0 Trotz der getroffenen Maßnahmen konnte sich das Virus vehement ausbreiten. Warum? In engen... Der fast weltweite Lockdown hat für Lateinamerika zudem dramatische wirtschaftliche Konsequenzen. Viele MiIlionen Menschen werden in Armut gestürzt und sind von Hunger bedroht.

Krise in Lateinamerika

Lateinamerika leidet unter den Folgen der Corona-Epidemie. Die Angst vor Armut und Hunger zwingt viele, trotz Ausgangssperre zu arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können.

Auch die nph-Kinderhilfe steht vor großen Herausforderungen. Innerhalb der nph-Kinderdörfer sind die Kinder derzeit sicher. Die Verantwortlichen versuchen, den Kindern ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Mittelfristig stehen die Einrichtungen vor großen finanziellen Problemen.

Lateinamerika wird von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Schätzungen zufolge werden durch den Einbruch der Wirtschaft und die schwere Rezession 29 Millionen Menschen in die Armut getrieben.

nph unterstützt arme Familien Rahmen der nph Nachbarschafts-Nothilfe mit Lebensmittelpaketen.

nph unterstützt arme Familien Rahmen der nph Nachbarschafts-Nothilfe mit Lebensmittelpaketen.

Viele Vorsichtsmaßnahmen in den nph-Kinderdörfern zum Schutz der Kinder

Die Tore aller nph-Kinderdörfer sind derzeit geschlossen und die Kinder und Jugendlichen können die Kinderdörfer nicht verlassen. Lediglich absolut notwendiges Personal kann die Kinderdörfer verlassen und betreten. An den Eingängen werden dann Temperatur und eventuelle Atemwegssymptome kontrolliert. Autos, die auf das Gelände kommen, werden desinfiziert, ebenso alle Produkte und Einkäufe, die in die Häuser kommen.

Ale Fahrzeuge und eingeführten Waren werden bei der Eingangskontrolle desinfiziert.

Alle Fahrzeuge und eingeführten Güter werden bei der Eingangskontrolle desinfiziert.

Die Fahrer tragen Masken, Handschuhe und müssen Handdesinfektionsmittel benutzen. Aktivitäten und Versammlungen über 50 Personen wurden abgesagt. Einige Häuser praktizieren Abstandsreglungen bei Messen und anderen Versammlungen. Die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Betreuer halten sich nur noch in kleinen Gruppen auf und versuchen, eine Vermischung mit anderen Gruppen zu vermeiden.

Die Kinder im nph Kinderdorf trainieren auf spielerische Art die Corona-Abstandsregeln.

Die Kinder im nph Kinderdorf trainieren auf spielerische Art die Corona-Abstandsregeln.

Die Schulen bleiben geschlossen, und die Hausaufgaben werden zu Hause erledigt. Aus der nph-Nachbarschaft können keine Kinder mehr zu Schule kommen. Für die Familien, deren Kinder bisher in die nph-Schulen gingen, ist vor allem der Wegfall der Schulmahlzeit ein Problem. Die zusätzlichen Ausgaben für Nahrungsmittel verschlimmern die prekäre Situation dieser Familien.

Trotz aller widrigen Umstände setzen sich alle nph-Verantwortlichen dafür ein, den Kindern ein hohes Maß an Sicherheit zu geben und das Leben so normal wie möglich zu gestalten.

Bei Eingangskontrollen in die nph Kinderdörfer wird u.a. die Temperatur bei allen externen Besuchern gemessen.

Bei Eingangskontrollen in die nph Kinderdörfer wird u.a. die Temperatur bei allen externen Besuchern gemessen.

Solidarität und Unterstützung wichtiger den je

Mittel- bis langfristig bereitet den Verantwortlichen die wirtschaftliche Situation der nph-Einrichtungen große Sorgen, denn viele Lebensmittel sind nur noch schwer zu bekommen und demzufolge steigen die Preise erheblich.

Die Ausgaben für Medikamente, Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel belasten ebenfalls den Etat. Angestellte, auch wenn sie bei ihren Familien sind, werden teilweise weiter bezahlt. Darüber hinaus leiden lokale Spender selbst unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sind nicht mehr in der Lage, nph zu unterstützen.

Umso mehr ist die internationale Solidarität und Unterstützung gefordert, um – soweit irgend möglich – den Kindern ein gutes, sorgenfreies Leben zu ermöglichen.

#nphkinderhilfe #corona #covid19 #pandemie #nothilfe

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Nachrichten_von_nph agathe.freudl@nph-kinderhilfe.org Tue, 09 Jun 2020 14:52:09 +0200
Corona wütet in Haiti: „Mein Herz brennt in mir“ https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7516&cHash=3404d8a8b14e3c1af873241e5bcb5ce8 Die Coronasituation in Haiti spitzt sich zu, die Patienten und ihre Familien leiden; der Druck auf... Pater Rick leitet die nph-Aktivitäten in Haiti. Damit ist er auch zuständig für die medizinischen Dienste, Krankenhäuser und die Versorgung der Covid-19-Patienten. Als Theologe und Mediziner trifft ihn die um sich greifende Krankheit doppelt. Hier ein aktueller Brief von ihm aus Port-au-Prince an alle, die nph nahestehen oder die sich mit ihm um das Wohlergehen der Ärmsten im armen Land Haiti sorgen.

Pater Richard Frechette - Leiter von nph haiti

Pater Richard Frechette verantwortet die Hilfe von nph Haiti.

Liebe Familienmitglieder und Freunde,

ich erstarrte wie ein Reh im Scheinwerferlicht, als sie mich einen Mörder schimpfte. Sie schrie mir dieses Wort mit aller Kraft entgegen, ihre Halsadern und Augen schwollen an, ihr Gesicht war verzerrt vor Wut. Sie spuckte mich an und verfehlte mich. Ihre 18-jährige Schwester Sonja war gerade in der Coronaabteilung unseres St.-Luc-Krankenhauses gestorben.

Wir stehen in diesen Tagen einigen sehr mächtigen Kräften gegenüber: dieses neue, unbekannte, sich verändernde und todbringende Virus; die große, von Panik genährte Angst, die die Krankheit auf allen Ebenen verursacht; das explosive Aufeinandertreffen von Schulmedizin und traditionellen spirituellen Glaubensvorstellungen und das wütende Misstrauen der Menschen gegenüber Verantwortlichen und Institutionen.

Angesichts all’ dieser Umstände verstand ich die Wut dieser Frau nur zu gut. Sie, ihre Schwester, ihre Familie fielen den medizinischen Grenzen zum Opfer, die uns wegen der strengen Isolationsbeschränkungen auferlegt wurden. Und Sonja bezahlte das mit dem Leben. Gleichzeitig durfte die Familie die Quarantäne nicht verlassen und einen Wunderheiler für Sonja aufsuchen, obwohl sie sich verzweifelt danach sehnte. Sonja ging es sehr schlecht und sie litt zudem an Vorerkrankungen. Jetzt war sie tot.

Noch schlimmer war, dass ihr COVID-Test mit einer Verzögerung von vier Tagen eintraf – nur fünf Stunden nach ihrem Tod. Er war negativ. Das Timing war fürchterlich, es verspottete und verhöhnte uns und unsere Bemühungen.

Ein anderer unserer Patienten ist Dormond. Er ist 20 Jahre alt und sehr krank. Er wurde positiv auf das gefürchtete Virus getestet. Er weiß das, ist aber überzeugt, dass er vom Zombie eines Menschen besessen ist, der an dem Virus gestorben ist. Dormond ist ein wirklich liebenswerter Mensch. Man kann nicht anders, als zu mögen, was noch von ihm übrig ist. Man kann nicht anders, als ihm zu helfen und ihn aufzumuntern.

Auch wenn er das Gefühl hat zu ersticken, sucht er schnell nach seiner Maske, wenn sich ihm jemand nähert. Er will verhindern, dass wir seine Krankheit bekommen. Auf dem Röntgenbild ist seine Lunge fast vollständig weiß. Er ist am ganzen Körper geschwollen, er sieht Dämonen und böse Geister, die ihm das Leben nehmen wollen, und er fleht mich an, sie zu verjagen.

Was mache ich als Geistlicher in dieser Situation? Ich kümmere mich so gut wie möglich um Dormond, indem ich meine Arme gen Himmel strecke und die Macht Gottes, der Engel und Heiligen beschwöre, während ich für mich unsichtbare, aber für ihn nur allzu reale Geschöpfe mit dem Kreuz verjage. „Möge das heilige Blut Jesu zwischen dir und allem Unheil stehen!“ lautet mein beschwörendes Gebet für ihn.

Auch Claire ist in einer miserablen Situation. Ihre Unterkunft im Armenviertel Cité Soleil in Port-auf-Prince wurde kürzlich durch die Bandenkriege niedergebrannt. Sie ist nur noch Haut und Knochen und mit ihren vier Kindern auf der Flucht. Das älteste, ein Sohn, ist 13 Jahre alt. In diesem Augenblick sitzt er – soweit es die Isolation erlaubt – geduldig vor unserem St.-Luc-Krankenhaus.

Immer, wenn wir der ausgehungerten Claire etwas zu essen anbieten, besteht sie darauf, es zuerst ihrem Sohn zu geben. Sie isst dann, was er ihr übrig gelassen hat. Ich habe den beiden gerade etwas Hühnchen gebraten und ihrem Sohn einen dicken Bademantel gegeben, damit er heute Nacht nicht friert. Auch etwas Pappe konnte ich ihm geben, um darauf zu schlafen. Mehr habe ich nicht für die beiden.

Der Glaube ist ein Geschenk. Hoffnung ist ein Geschenk. Sie sind Geschenke für uns. Sie sind Geschenke für unsere Zeit.

Mein Herz brennt in mir, wenn ich sehe, wie Dormond um sein Leben kämpft. Mein Herz brennt in mir, wenn er hinter einer Maske um Luft ringt, um mich vor seiner Krankheit zu schützen.

Mein Herz brennt in mir, wenn Claire das Essen, das ich gerade für sie gekauft habe, ihrem Sohn gibt, damit er zuerst davon isst.

Ich sehe unendlich viele Dinge, die mein Herz brennen lassen. Ich hoffe, Sie haben ebenso viel Glück. Ich weiß, Sie kennen das Gefühl. Aus der Natur, der Musik, der Kunst, aus heiligen Büchern, aus menschlicher Größe.

Ich wünsche Ihnen Mut und Frieden. Und ich danke Ihnen wie immer für Ihre großzügige Hilfe, mit der Sie es uns ermöglichen, unsere Arbeit das ganze Jahr über fortzusetzen.

Pater Richard Frechette, CP
Port-au-Prince, Haiti

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Nachrichten_von_nph service@nph-kinderhilfe.org Mon, 25 May 2020 15:19:20 +0200
Tipps gegen die Angst von Kindern https://www.nph-kinderhilfe.org//news/newsdetail?tx_ttnews%5Btt_news%5D=7511&cHash=2c180fa314f001608ec3c678cf9cac79 Die Kinder in den nph-Kinderdörfern sollen möglichst gesund und unbeschwert durch die Coronakrise... Vielleicht können Familien, die jetzt viel Zeit gemeinsam verbringen, auch von diesen Hinweisen und Regeln profitieren. Sie sind ursprünglich für die Erzieherinnen und Erzieher, Betreuerinnen und Betreuer in den Kinderdörfern gedacht. Deshalb haben wir Ihnen eine gekürzte Variante dieser Tipps zusammengestellt. Lesen Sie gerne auch das Interview mit dem nph-Experten zum Umgang mit der Angst.

Kinder denken auch über Krisen nach.

Wie überall, wollen unsere Kinder verstehen, was gerade auf der Welt passiert und was dahinter steckt. Sie haben die gleichen Fragen wie wir alle.

Wie spricht man am besten mit Kindern und Jugendlichen über das Coronavirus?

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Kindern Corona zu erklären, kann herausfordernd sein.

  1. Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben.
  2. Wir müssen ehrlich sein und klar benennen, dass es sich um ein gefährliches Virus handelt, das sich leicht verbreiten kann. Deshalb müssen wir uns vor ihm schützen.
  3. Kinder hören uns zu und spüren unsere Angst. Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn sie mit anderen Erwachsenen in Anwesenheit von Kindern sprechen. Bändigen Sie Gefühle wie Panik, Unsicherheit oder Fluchtinstinkte.
  4. Seien Sie ehrlich und versuchen Sie, verständlich über das Virus zu sprechen: einfache Wörter, kurze Sätze, altersgerechte Sprache.
  5. Warten Sie nicht, bis Ihre Kinder Sie fragen, um mit ihnen zu sprechen. Gehen Sie aktiv mit der Situation um.
  6. Nehmen Sie die Ängste und Zweifel von Kindern und Jugendlichen ernst. Signalisieren Sie ihnen, dass sie über ihre Ängste und Fragen sprechen können.
  7. Sprechen Sie oft über die aktuelle Situation, das ist jetzt normal. Aber überhäufen Sie die Kinder nicht mit zu vielen – vielleicht sogar widersprüchlichen – Informationen.
  8. Korrigieren Sie falsche oder falsch verstandene Informationen.
  9. Vermitteln Sie den Kindern, dass sie sicher sind, dass Sie Maßnahmen ergriffen haben, sie zu schützen. Es besteht kein Grund, sich zu beunruhigen oder Angst zu schüren. Tatsächlich wird die große Mehrheit der Menschen geheilt.
  10. Vermitteln Sie den Kindern die Gewissheit, dass es viele Ärzte gibt, die das Virus heilen, verstehen, seine Risiken reduzieren und einen Impfstoff finden können.
  11. Vermeiden Sie es, übermäßig über die Anzahl von Menschen zu sprechen, die sehr krank sind oder gestorben sind. Wichtig ist vielmehr der Fokus auf die Menschen im Umfeld.

Einige Empfehlungen für das Leben zu Hause

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Wir hoffen unsere Ratschläge helfen Ihnen, gut mit ihrer Familie durch die Corona-Krise zu kommen.

  1. Versuchen Sie, sich an Zeitpläne und Gewohnheiten zu halten. Ordnung, Struktur und Sicherheit wirken beruhigend.
  2. Nehmen Sie sich Zeit für freies Spiel, Toben, Sport, Körperbewegung.
  3. Unterscheiden Sie zwischen Wochentags- und Wochenendplänen und -routinen.
  4. Sicher vermissen Ihre Kinder ihre Freundinnen und Freunde, Opa und Oma, Tanten und Onkel. Versuchen Sie, regelmäßig Kontakt per Telefon oder Videochat zu pflegen oder zumindest den Kindern Neuigkeiten zu geben.
  5. Sorgen Sie dafür, dass die Kinder und Jugendlichen in die Sonne gehen können, und um ihre Abwehr zu stärken.
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Nachrichten_von_nph cordula.schulze@nph.org Wed, 06 May 2020 07:00:00 +0200