Viele Menschen in Cite Soleil, dem größten Slum in Haiti, leben in diesen einfachen Unterkünften.

Aufwachsen in der Armensiedlung: „Zu uns kam das Christkind nicht“

Fédéna, heute 15, ist nahe der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince aufgewachsen. Nach dem Erdbeben 2010 kam sie zu nph und hat dort den Zauber von Weihnachten entdeckt.

„Zu den Kindern dort kommt das Christkind nicht.“ So beschreibt Fédéna den Ort ihrer Kindheit. Sie wuchs in „Cité de Soleil“ auf – zu Deutsch „Sonnenstadt“. Der Name des Armenviertels ist trügerisch, die Lebenswirklichkeit dort harsch und gefährlich – besonders für kleine Mädchen.

„Wir haben unter fürchterlichen Bedingungen gelebt“, schildert sie ihre ersten Jahre dort. Ihr Vater verließ die Familie, als sie erst zwei Jahre alt war. Die Mutter war so arm, dass sie nicht alle Kinder versorgen konnte. Deshalb mussten zwei ältere Geschwister von Fédéna damals schon den Haushalt verlassen.

Aufwachsen zwischen rivalisierenden Banden

Das wenige Einkommen verdiente ihre Mutter mit dem Verkauf von Mauby. Das Erfrischungsgetränk ist typisch für die Karibik: Die Rinde eines einheimischen Baums wird zusammen mit Gewürzen gekocht und das abgekühlte Getränk gesüßt und mit Wasser verdünnt. Fédénas Mutter verkaufte das schmackhafte Getränk mit Ingwer und Zuckersirup für rund zehn Eurocent pro Becher. Wenn sie nicht alles verkaufen konnte, gab sie den Rest ihren Kindern zu trinken – anstelle eines Abendessens, für das die Tageseinnahmen dann nicht reichten.

Spielende Kinder bei nph Haiti.

Das nph-Kinderdorf ist ein sicherer, geschützter Raum, wo die Kinder spielen und ganz Kind sein dürfen.

Fédéna erzählt, dass Cité Soleil ein Kriegsgebiet ist. Täglich hörten die Kinder, wie rivalisierende Banden bei ihren Revierkämpfen aufeinander schossen. Das Dach ihrer Hütte bestand, wie überall in dem Armenviertel, aus undichtem Wellblech. Es regnete rein und die Feuchtigkeit zerstörte die wenigen Habseligkeiten der kleinen Familie. „Ich war noch so klein, aber ich erinnere mich daran, dass wir ständig unter Spannung standen. Wir hatten Angst um unsere Mutter, wenn sie das Haus verließ, um Geld zu verdienen. Denn jederzeit konnten die Kämpfe wieder losgehen. Die Banden kümmern sich nicht, auf wen sie schießen – Kinder oder Erwachsene, das ist ihnen egal.“

Traurige Berühmtheit für die gefährlichste Stadt der westlichen Welt

Cité Soleil hat offiziell knapp 250.000 Einwohner und ist damit etwa so groß wie Chemnitz, Kiel oder Gelsenkirchen. Inoffiziellen Schätzungen zufolge ist die Armensiedlung auf mittlerweile 400.000 Einwohner angewachsen. Und die Bevölkerung eint eines: ihre große Armut. Der Anteil arbeitsloser junger Menschen ist hoch. Traurige Berühmtheit hat der Slum durch Armut und Gewalt erlangt: Er gilt als einer der gefährlichsten Orte der westlichen Welt und eine der größten Armensiedlungen der nördlichen Hemisphäre, ohne Kanalisation und nennenswerte Infrastruktur. Fließendes Wasser gibt es ebenfalls nicht. Fragt man Fédéna danach, ob sie auch schöne Erinnerungen an ihre Zeit in Cité Soleil hat, antwortet sie traurig: „Nein. Es verging kein Tag, ohne dass schlimme Dinge passierten. Vergewaltigungen, Raub, Banden und Banditen. Ich habe das jeden Tag gesehen. Das war mein Leben.“

Das Erdbeben bringt die Wende für Fédéna

Das Schicksal versetzte der Familie einen weiteren Schlag, als 2010 das große Erdbeben Haiti verwüstete. Große Teile von Cité Soleil wurden zerstört. Fédéna lebte für kurze Zeit in einer Zeltstadt und kam in Kontakt mit dem Father Wasson "Engel-des-Lichts"-Programm. Diese von nph in Haiti ins Leben gerufene Initiative kümmerte sich damals um Kinder, die im Erdbeben ihre Eltern verloren hatten. Aufgrund ihrer besonders von Armut geprägten Lebensverhältnisse, wurde Fédéna ausnahmsweise ebenfalls aufgenommen. Seitdem lebt sie im nph-Kinderdorf St. Hélène in Haiti.

Fedena lernt für die Schule

Fédéna geht gerne zur Schule und genießt ihr Leben als Teenager. Sie singt gerne und freut sich auf den Liederwettbewerb zu Weihnachten.

Heute ist Fédéna glücklich. Sie besucht derzeit die siebte Klasse der Schule, und das gefällt ihr. Ihr ist bewusst, dass sie großes Glück hatte: Nur sehr wenige Menschen können Cité Soleil verlassen. Dass sie jetzt auch Teil der nph-Familie ist, begreift sie als Chance. Sie sagt: „Meine Mutter konnte sich nicht richtig um mich kümmern. Ich will mir gar nicht vorstellen, was ohne nph aus mir geworden wäre.“

Singwettbewerb im Advent kündigt Weihnachten an

Als Kind bedeutete Weihnachten ihr nicht viel – es war einfach ein Tag wie viele, geprägt vom Überleben, oft von Hunger. „Bei uns gab es keine Feier, keine Nettigkeiten, keine Geschenke. Nicht nur bei uns war das so, sondern im ganzen Viertel“, schildert Fédéna. Erst seit sie bei nph lebt, kennt Fédéna die Freuden von Weihnachten. Sie erinnert sich an ihr erstes Weihnachtsfest im Kinderdorf St. Hélène: „So etwas hatte ich noch nie erlebt – die ganzen Geschenke, das schöne Essen, die Feste, Spiele und Aktivitäten für uns Kinder.“

Fedena und der Weihnachtsmann

Fédéna hat Glück gehabt. Bei nph begegnet sie dem Weihnachtsmann während der Festtage.

Dass Weihnachten unter den Bedingungen der Coronapandemie nicht ganz so wunderbar werden wird wie sonst, ist ihr natürlich klar. Auch wird es in diesem Jahr keine ausländischen Gäste geben. Aber sie ist entschlossen, das Beste aus der Situation zu machen. Weil sie leidenschaftlich gerne singt, nimmt sie jährlich am Weihnachtsliederwettbewerb teil, der Anfang Dezember beginnt. Jedes Haus im Kinderdorf übt dabei einen Song ein. In der Zeit bis Weihnachten findet der Wettbewerb statt. Am 25. Dezember werden die Sieger verkündet. „Natürlich gewinnen wir immer. Wir haben einfach die besten Sängerinnen!“, schmunzelt Fédéna.

Dankbarkeit für Zuwendung und neue Chancen

Fédéna dankt allen Spendern und ihren Paten für alles, was sie für die aufgeweckte 15-Jährige tun. „Ich hätte nie gedacht, dass ich heute diese Entwicklungsmöglichkeiten haben würde – besonders wenn ich an meine Brüder und Schwestern denke, die noch immer mit nichts leben. Ich bin so dankbar für die Betreuerinnen und Betreuer, die uns wie ihre eigenen Kinder behandeln. Sie sind immer hilfreich und unterstützen uns auf unserem Entwicklungsweg. Bei nph erhalte ich Bildung, Nahrung, Kleidung und ein schönes Weihnachtsfest. Ich bin dafür sehr dankbar.” Sie hofft, dass sie 2021 vielleicht gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern Weihnachten feiern und ihnen etwas von der Weihnachtsfreude weitergeben kann.

Die Namen der Kinder wurden geändert, um ihre Identität zu schützen.

In diesem Jahr ist Ihre Unterstützung besonders wertvoll. Denn: Der Umgang mit der Coronapandemie hat die nph-Familie vor viele neue Herausforderungen gestellt. Wir bitten Sie deshalb, die Arbeit des Teams in Haiti zu unterstützen, damit Kinder wie Fédéna die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

Paten sichern Zukunft


Die Patenschaft für ein einzelnes Kind ist die direkteste und persönlichste Art, sinnvoll und wirksam zu helfen.

Es gibt nichts Schöneres als ein Kind an der Hand zu nehmen und auf seinem Weg in die Zukunft zu begleiten. Als Pate sind Sie nicht nur ein Teil dieser Entwicklung, Sie sind auch ein Teil im Leben Ihres Patenkindes.
 

  • Persönliche Beziehung zu Ihrem Patenkind
  • Foto und Lebensgeschichte Ihres Patenkindes
  • Jährliches, aktuelles Foto und Informationen zur Entwicklung des Kindes
  • Übersetzung Ihres persönlichen Briefes an Ihr Patenkind


Ja, ich werde Pate!

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Alle Fragen zu einer Kinderpatenschaft bei nph beantworte ich gerne. Rufen Sie mich an oder senden Sie mir eine Email.

Patenbetreuung

Patenbetreuung

Eine kuschelige Nachtruhe

30.00 €
Saubere Bettwäsche und ein kuscheliger Schlafanzug geben einem Kind Wärme, Ruhe und eine gute Nacht.

Mit Bildung aus der Armut

20.00 €
Damit die Kinder in der Schule erfolgreich schreiben und rechnen lernen können, müssen sie gut ausgerüstet sein.

Gegen den Hunger durch Corona

50.00 €
Lebensmittel gegen den Hunger für arme Familien, die durch den Corona-Lockdown ihr gesamtes Einkommen verloren haben.