Dr. Jaqueline Gautier leitet das nph Kinderkrankenhaus in Haiti. Ihr Mann starb beim großen Erdbeben 2010.

„Weitermachen mit Mut, Glauben, Hoffnung und Unterstützung“

Dr. Jacqueline Gautier leitet seit 2012 das nph-Kinderkrankenhaus St. Damien in Haiti. Schon seit fast 25 Jahren arbeitet die engagierte Ärztin dort. Hier schildert sie ihre Erinnerungen an das große Erdbeben 2010.

„Jede Haitianerin und jeder Haitianer erinnert sich daran, was er oder sie am 12. Januar 2010 um 16:53 Uhr gemacht hat. Denn in den nächsten 35 Sekunden änderte sich so vieles  auf unwiederbringliche Weise.

Ich komme gerade aus dem St.-Damien-Krankenhaus zurück. Ich betrete das Haus, nachdem ich mein Auto abgestellt habe. Ich telefoniere mit einer meiner besten Freundinnen. Während wir das Gespräch beenden, setzt die erste Stoßwelle des Bebens ein – sehr stark, als würde unter uns ein Zug entlangbrausen.

Das Auto hüpft mit den Erdstößen

“Tremblement de Terre – ein Erdbeben” rufen meine Tochter Nathalie und ich gleichzeitig. Wir stürzen beide zur Tür, um aus dem Haus zu kommen, noch während die Erde bebt. Wir kommen an meinem Auto vorbei, das regelrecht auf und ab hüpft. Dann ist es plötzlich sehr still. Unser Haus steht noch und im ersten Moment denken wir, dass wir mit dem Schrecken davongekommen sind. Wir scheinen keine Schäden erlitten zu haben – außer mir: Beim Rennen auf wackeligem Untergrund habe ich mir den rechten Fuß verstaucht und gebrochen.

Aus der Innenstadt von Port-au-Prince hören wir jedoch permanente Schreie; große Staubwolken steigen auf. Langsam begreifen wir, dass die Stadt schlimm getroffen wurde.

Es sieht aus wie im Kriegsgebiet

In dem Moment bricht das Chaos aus. Mein Mann ist weg. Ich suche ihn überall – bis ich am nächsten Tag erfahre, dass er einige Kilometer entfernt verstorben ist. Er befand sich da nahe des Epizentrums. Er war Bauingenieur und nahm zu dem Zeitpunkt an einer Besprechung teil. Es ging um die Renovierung einer Schule.

Nach dem Erdbeben in Haiti sieht es in den Straßen wie nach einem Kriegsangriff aus.

Nach dem Erdbeben in Haiti sieht es in den Straßen wie nach einem Kriegsangriff aus.

In den Straßen sehen wir überall die Körper der Toten. Es sieht aus wie im Kriegsgebiet nachdem die letzte Schlacht geschlagen ist. Die schlechte Qualität der Gebäude und die Hilflosigkeit der Bevölkerung machen dieses Beben mit Stärke 7,1 auf der Richterskala zu einer der größten Katastrophen unserer Zeit.

Schnelle Beerdigungen ohne Zeremonie

Die meisten Betroffenen leiden in der Folge des Bebens direkt oder indirekt an Traumata. Und trotzdem ist es eine Zeit großer Solidarität. Wir trösten einander, wir begraben unsere Familienmitglieder, unsere Freunde, Nachbarn – und das schnell, ohne Ankündigung und ohne Zeremonie. Viele Menschen erfahren erst Monate später, dass jemand, den sie kannten, im Erdbeben umgekommen ist. Pater Richard Frechette, der nph in Haiti aufgebaut hat, lässt seine sterbende Mutter mit ihrem Segen in Connecticut zurück, um die Hilfe für die Erdbebenopfer zu organisieren.

Im Krankenhaus verlieren wir drei Mitarbeitende: die Schwester der ambulanten Klinik – ihr Haus fiel über ihr und ihrer dreijährigen Tochter zusammen -, eine weitere Schwester aus dem HIV-Programm und eine dritte aus der Patientenaufnahme. Viele Angestellte verlieren Familienmitglieder oder müssen sich um Verletzte in ihrem Umfeld kümmern.

St.-Damien-Kinderkrankenhaus übersteht das Beben

Unser ehemaliges Krankenhausgebäude in Péton-Ville, das als Gästehaus in vielerlei Hinsicht nützlich und wichtig war, stürzt ein. Drei Freiwillige sterben. Viele weitere werden dort schwer verletzt. Und das ganze Land ist mit der Suche nach Überlebenden beschäftigt. Monatelang stehen wir im Fokus der Aufmerksamkeit – weltweit. Überall entstehen Zeltstädte.

Das nph Kinderkrankenhaus St. Damien in Haiti.

Das nph Kinderkrankenhaus St. Damien wurde während des Erdbebens 2010 nur unwesentlich beschädigt.

Zum Glück steht unser St.-Damien-Krankenhaus solide da. Nur ein paar Risse hier und da, keine ernsthaften Schäden: So lautet der Befund eines Teams italienischer Militäringenieure. Als ich am zweiten Tag nach dem Erdbeben zur Arbeit komme, hat sich der Ort in ein Freiluft-Krankenhaus verwandelt – überall orthopädische Notfälle und natürlich die Kinder, die schon zum Beben im Krankenhaus waren. Wie viele andere Institutionen in Haiti erhalten wir überwältigende internationale Unterstützung, um uns um die Verwundeten und Kranken zu kümmern.

Wir machen weiter

Für das St.-Damien-Krankenhaus und für nph insgesamt ist das Erdbeben die Notwendigkeit, die Aktivitäten für die Bevölkerung auszuweiten. So eröffnen wir ein Zentrum für Risikoschwangerschaften, das später noch den Schwerpunkt Frühgeburten bekommt.

Alle Mitarbeiter des nph Kinderkrankenhauses St. Damien haben während des Erdbebens Angehörige verloren.

Alle Mitarbeiter des nph Kinderkrankenhauses St. Damien haben während des Erdbebens Angehörige verloren.

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